Review of: Bittere Wunder
Buch von:
Christina Meldrum
Price:
12.99 EUR

Reviewed by:
Rating:
5
On 3. April 2013
Last modified:5. Juli 2016

Summary:

Eine wirklich herausragend und komplexe Geschichte, die vermutlich nicht für Jedermann geeignet ist. Doch, wenn das Buch einen fesselt, dann lässt es einen nicht mehr los. Theologie, Mythologie, Botanik und die Mischung allem in einer autarken Welt, aus der man am Ende herauskommt und nicht mehr weiß: Was in dieser Welt ist wirklich real oder nicht? Ein wirklich sehr, sehr gelungenes Debüt. Die Autorin weiß es zu nutzen, einen auf bestimmte Fährten zu locken, um am Ende in Zweifeln zu verharren. Absolutes Must-read!

Eine wirklich herausragend und komplexe Geschichte, die vermutlich nicht für Jedermann geeignet ist. Doch, wenn das Buch einen fesselt, dann lässt es einen nicht mehr los. Theologie, Mythologie, Botanik und die Mischung allem in einer autarken Welt, aus der man am Ende herauskommt und nicht mehr weiß: Was in dieser Welt ist wirklich real oder nicht? Ein wirklich sehr, sehr gelungenes Debüt. Die Autorin weiß es zu nutzen, einen auf bestimmte Fährten zu locken, um am Ende in Zweifeln zu verharren. Absolutes Must-read!

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Zur Geschichte

Aslaug wächst mit ihrer Mutter, Maren Hellig, autark in einem kleine Örtchen auf. Abgeschottet von jeglicher Zivilisation, nur mit den Augen des Nachbarn im Rücken, bei allem was sie tun und der die beiden für sehr sonderbar hält. Aslaug wird von ihrer Mutter in die Geheimnisse der Pflanzen und Mythologie unterrichtet, bekommt zensierte Bücher vorgesetzt und ist mit ihren fünfzehn Jahren sehr Erwachsen, auch wenn sie sozialen Umgang nie wirklich kennengelernt hat – ebenso wenig ihr eigenes Spiegelbild.

Als ihre Mutter stirbt, bleibt für sie die Frage nach ihrer Herkunft ein weiteres von vielen Geheimnissen. Sie ist sehr selbstreflektierend und muss erkennen, dass ihre Mutter verrückt war und vielleicht sogar einen Samen davon in ihrselbst hinterlassen hatte – in Form des „Madapple“ (Teufelapfels).

Was ist real und was nicht? Woher kommt sie wirklich und wer ist ihr Vater? Warum kommen nach der Lösung eines Geheimnisses so viele andere auf sie zu? Ist Aslaug ein göttliches Wunder?

 

Mein Fazit

Thema und Aufbau

Zu Beginn werden wir in das Jahr 1987 zurückgeschickt, wo die Geschichte um Aslaug ihren Anfang findet und die Geheimnisse und vermeindlichen Wunder beginnen. Danach beginnt die Geschichte, deren Entwicklung in der Ich-Perspektive von Aslaug und der Gerichtsverhandlung kapitelweise wechselt.

Die Kapitel sind sehr interessant aufgebaut, nämlich in Bezug auf die Folgen der Erziehung Aslaugs: Pflanzen. Und zwar, beschreibt jeder Kapiteltitel, in dem aus Aslaugs Sicht berichtet wird, eine bestimmte Pflanze. Die Hintergründe der Wahl, der bestimmten Pflanzen, klärt sich meistens in dem Kapitel, wenn Aslaug alles, was sie erlebt (in den Jahren 2003-2007), auf bestimmte Besonderheiten von der jeweiligen Pflanze zurückführt. Die Kapitel der Gerichtsverhandlung, die im Jahr 2007 spielen, haben immer die gleiche Pflanze als Titel: Salomonssiegel. Warum, ergibt sich beim Lesen der Geschichte.

Die vier bedeutensten Pflanzen der Geschichte, vor allem der Teufelsapfel, sind im Rücken des Buchcovers hinterlegt. Zu dem botanischen Thema, kommen auch zunehmend Mythologie und Theologie, die die Geschichte etwa in der Mitte sehr zuspitzen und fast außer Kontrolle geraten. Besondere Rollen tragen die Wirkungen von bestimmten Pflanzen, auf die menschliche Psyche.

Charaktere

Aslaug, ist zu Beginn der Geschichte ein 15-jähriges Mädchen, das 1988 geboren wurde. Abgeschottet von der Zivilisation lebt sie mit ihrer Mutter in einem Haus, das umgeben ist von verschiedenen Pflanzen, in dem Ort Hartswell im Bundesstaat Maine, USA. Sie hat dänische Vorfahren, ist aber in den USA geboren und aufgewachsen. Sie ist ein sehr intelligentes Mädchen, dass sich viele Funktionsweisen in Einzelheiten zerpflückt, um zu verstehen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Sie versucht damit zu verstehen, wie die Welt funktioniert. Ihr Nachname ist nicht ganz eindeutig, da sie von der Mutter immer Aslaug Datter und von den Anwälten Aslaug Hellig genannt wird.

Maren Hellig war die Mutter von Aslaug. Sie ist in Dänemark aufgewachsen, ehe sie den Entschluss fasste in die USA auszuwandern, um dort zu studieren. Ihre Schwester folgte ihr mit ihrer Tochter Sanne. Etwa drei Jahre später trennten sich die Wege der Schwestern. Sie war ein sehr sonderbarer Mensch, selbst die eigene Tochter hielt sie oft für verrückt. Sie hatte eine spezielle Art, der Tochter Zuneigung und Liebe zu vermitteln. Sie stirbt in Folge einer Vergiftung an dem „Todesapfel“ (engl. Madapple).

Sara Lerner ist die ältere Schwester von Maren und sehr gläubig. In Dänemark hatte sie eine gescheiterte Ehe zurückgelassen, als sie ihrer Schwester mit ihrer Tochter Sanne folgte. Die Schwestern waren beide schwanger, wobei Sara von Maren nie erfuhr, wer der Vater war. In Benthan, Maine kaufte sie mit dem Erbe, die ihr Vater ihr hinterließ, ein Kloster und machte daraus ihre eigene Kirche und wurde Pastorin. Als Aslaug zu ihrer Kirche kommt, nimmt sie sie auf.

Susanne Lerner ist die erstgeborene von Sara und Vater Mikkel, der in Dänemark lebt. Bereits zu Beginn der Geschichte lernt man sie kennen. Die Geschehnisse prägten ihre weitere Entwicklung gravierend. Sie sieht in ihrer Tante eine Art „Heilige“ oder „Wunder“. Sie wird meistens Sanne genannt. Zwei ihrer Finger sind miteinander verwachsen, ein genetisches Erbe von ihrem Vater.

Rune Lerner ist der Bruder von Sanne und im gleichen Alter, wie Aslaug. Er hat eine Lese- und Schreibschwäche, aber ein stark ausgeprägtes Gedächtnis. Zwei seiner Finger sind ebenfalls verwachsen, wie bei seinem Vater. Seine Erinnerungen an Aslaug als Kleinkinder, prägen ihn in seiner Entwicklung, ebenso das, was seine Schwester erzählt.

Schreibstil und Erzählperspektive

Wie bereits erwähnt, wechselt nach dem ersten Kapitel kapitelweise die Perspektive zwischen der neutralen Sicht der Gerichtsverhandlung und der Ich-Perspektive von Aslaug.

Es ist ein sehr interessanter Schreibstil, da er zwischen dem damaligen Geschehen und der „heutigen“ Gerichtsverhandlung wechselt. An manchen Stellen bekommt man dadurch schon einen Einblick, was Aslaug noch erleben und erzählen wird. Es hält sich jedoch in den Grenzen von „zu viel erzählen“, wodurch die Spannung noch mehr steigt. Bis zum Ende des Buches, weiß man nicht, was wirklich real ist und was nicht.

Man muss allerdings sagen, dass die Geschichte ziemlich anspruchsvoll und daher vermutlich nicht für Jedermann geschaffen ist. Es kommen sehr oft metaphorische Vergleiche, mit denen nicht jeder klarkommen wird. Auch die später häufiger auftretenden theologischen und botanischen Begrifflichkeiten und Hintergrundinformationen sind sehr aufschlussreich und relativ verständlich, aber komplex, erklärt. Wie gesagt, einige werden damit keine Probleme haben, und andere sich die Zähne ausbeißen.

Endfazit

Ich liebe das Buch, die Geschichte. Ich habe zwar viele sehr gute Bücher gelesen – aber dieses Buch gehört zu einem der Besten, die ich jemals gelesen habe. Dabei weiß nicht mal genau, warum das so ist. Bereits nach dem ersten Kapitel, war ich diesem Buch bedingungslos verfallen. Schwersten Herzens musste ich es beiseite packen, weil mein Kopf hämmerte, wenn er unbedingt Schlaf benötigte. Dieses Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr. Ich kann noch immer nicht glauben, dass die Geschichte vorbei ist.

Oft habe ich bei Statusupdates geschrieben, dass das Buch „psychisch kaputt“ sei. Was das genau bedeutet, kann ich nicht genau erklären. Es hat eine sehr starke Auswirkung auf meine eigene Psyche ausgeübt. Auch jetzt noch, nachdem das Buch zuende ist, muss ich damit kämpfen. Das es mich so gepackt hat, mit-verwirrt hat, war wohl genau die Intension der Autorin gewesen. Unglaublich!

An sehr vielen Stellen musste ich auch mit den Tränen von Wut und Trauer kämpfen, weil mir Aslaug so Leid tat, mit der Last, die sie trug und allem, was ihr widerfahren ist.

Ich bin gespannt, ob Meldrum weitere Bücher schreiben wird, weil sie einen unglaublichen Schreibstil hat, auch wenn er in dem Fall dieses Buches (passend) anspruchsvoll war. Mein Herz und Verstand hat sie erobert. Ich werde wohl eine Zeit brauchen, um wieder ein Buch in die Hand zu nehmen, weil diese Geschichte solch eine gravierende Nachwirkung auf mir hinterlassen hat.

Laut Empfehlung ist es ein Jugendbuch ab 12 – ich empfehle ab 15/16, da sonst viele Sachen verloren gehen. Außerdem sollte man offen für die Geschichte sein, auch, wenn man nicht viel mit Religion „am Hut hat“. Es wird einen überraschen, wie sehr einem das Buch verändern kann.

Die Geschichte wird die Geister scheiden: Entweder man liebt es von der ersten Seite, so wie ich, oder man wird die psychischen (Ab-)Gründe und Manipulationen niemals verstehen, was auch nicht schlimm ist.

Es kommt auf den Stapel: „Absolute Lieblingsbücher“. Einfach grandios. Und ich komme aus dem Schwärmen nicht mehr raus. Bin auf weitere Werke der Autorin gespannt – ich hoffe, dass welche folgen werden. Ein wirklich sehr, sehr gelungenes Debüt. Die Autorin weiß es zu nutzen, einen auf bestimmte Fährten zu locken, um am Ende in Zweifeln zu verharren. Absolutes Must-read!

Buchdaten

Titel: Bittere Wunder
Originaltitel: Madapple
Autor: Christina Meldrum
Buchtyp: flexibler Einband
Genre: Jugendbuch, Fantasy, Mytery, Drama
Reihe? Nein
Seiten: 420
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Erscheinungsdatum: 14.01.2013
Verlag: cbj
ISBN: 9783570401613
Preis (UVP): 6,50 Eur[D]