Heute morgen gegen halb 1 Uhr morgens war es soweit, als klar war, dass die Dänin Emmelie de Forest mit „Only teardrops“ den Eurovision Songcontest 2013 in Malmö gewinnen würde.

Die Frage, die sich viele nun stellen, wie viel „Eigenwille“ Europas zuzurechnen ist, denn bereits im Vorfeld wurde Dänemark als Favorit gehandelt – dank Wettbüros. Ich persönlich sehe da schon Wahrheit drin, aber nicht 100%. Ich verfolge den ESC immer, auch bereits, wenn die ganzen Künstler der Länder gewählt werden. Und bevor ich ihren Song gehört habe, wusste ich, dass Dänemark gewinnen würde. Denn ich habe damals ein Interview mit ihr gesehen, und war hin und weg wie seinerzeit 2010 mit „Lovely Lena„.

Emmelie de Forest hat mich irgendwie direkt in den Bann gezogen; genau wie die russische Sängerin. Nach und nach kamen immer mehr Siegersongs der teilnehmender Länder hinzu. Wie Peter Urban (seit 1997 Kommentator des ESC) schon richtig getroffen hatte, war der ESC (kurz für Eurovision Songcontest) dieses Jahr sehr Balladen lastig.

Nachdem also, ohne große Überraschung, Dänemark mit knapp 50 Punkten vor Aserbaidschan (der, wie ich finde am Anfang klingt wie Total eclipse of the heart“ von Bonnie Tyler) und 70 vor der Ukraine (dem Riesen sei Dank?!) gewann, scheiden sich die Geister an den übrigen Platzierungen. Dance-Songs waren am Abend die Verlierer des Abends, abgesehen von der Elektro-Pop Nummer aus Norwegen oder der lustigen SKA Nummer aus Griechenland, waren stereotypen an Popsongs, die gewöhnlich immer gute Chancen hatte, eher Mangelware in den vorderen Plätzen.

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© Bjarne Bergius Hermansen (DR)

Was mich persönlich schockiert hat, war die wirklich schlechte Platzierung Deutschlands. Es war zwar im Vorfeld ein heißdiskutierter Song, und ich hab auf einen Top 15 Platz gehofft, aber nach der grandiosen Performance, wo man zwar die etwas  flattrige, angeschlagene Stimme der Sängerin von Cascada anmerkte, das Gefühl gehabt, dass Top 5 wirklich möglich wäre. Umso enttäuschender, dass es dann doch nur aus 5 Ländern Punkte gab. Wobei mich hier die Punkte aus Israel und Albanien, auch wenn es nur 3 waren, am meisten gefreut haben. Denn damit wurde wenigstens bewiesen, dass osteuropäische Länder doch etwas mehr Geschmack aufweisen, als das britische Heimatland von Cascada.

Sowieso blieb vieles wie früher: Irland und UK sind mal wieder Schlusslichter. Skandinavische Länder waren wieder sehr gut dabei, gerade Songs von schwedischen Produzenten. Und natürlich das altbekannte „Ostblock“-Trara.

Was mich gefreut hat, war, dass meine Prognose, dass dieser ESC überraschen wird, eintrat. Ich meine, Mister Dracula aus Rumänien auf Platz 13, Elektro-Pop und Ska unter den Top 6. Knutschende Frauen aus Finnland auch nur Schlusslichter. Sehr viele Länder, die in ihrer Landessprache bzw in nicht Englisch sangen. Doch das Ende dann doch genau so, wie Wettbüros und Medien prognostiziert haben.

Damit ist dann auch klar, dass die Top 5 trotzdem wieder sehr Englisch lastig ist, denn alle Länder hier, sangen auf Englisch. Platz 6, mit Griechenland und Griechisch-Englisch dann die erste „andere“ Sprache. Ich hoffe, dass die Griechen mit dieser Platzierung wenigstens etwas für ihren Staatsäckle beisteuern können.

Was mich bereits im 1. Halbfinale geärgert hat, war der (wie jetzt bekannt wurde) 14. Platz für Österreich und damit keine Teilnahme am Finale. Denn der Song war im Vorfeld für mich bereits einer der Favoriten. Auch Israel mit der super Sängerin in ihrer Halbpiloten-Hipster-Brille schied bereits im Halbfinale aus. Dafür kamen Sachen, wie Rumänien oder Litauen oder Irland weiter, wo ich bis heute nicht verstehe, warum gerade Litauen und Irland, weil die wesentlich schlechter waren, als andere, die ausscheiden mussten.

Nun gut, was gab es sonst für besondere Highlights? Peter Urban hatte im großen Finale Witze und Sprüche aus den Halbfinals fast 1:1 wieder angebracht. Rumänien war eine Überraschung (hätte man sich fast denken können, weil es sehr außergewöhnlich war). Die Top 3 waren von mir eigentlich genauso auch gedacht gewesen. Und dieses Mal sind es auch Songs gewesen, die zurecht in den Top 3 waren (nicht so wie Gewinner Aserbaidschan 2011, das war eine mittelstrecken Katastrophe an schiefen Tönen). Mit den ersten 10 Plätzen kann man sich anfreunden. Und auch mit den 12 Punkte aus Deutschland nach Ungarn für einen „Hipster“. Deutschland bewies bei den Punkten eindeutig mit den besten Geschmack in Europa. Dabei haben wir sowieso nichts zu verlieren, wenn wir Punkte vergeben.

Und bei der Punktevergabe bewies Lena wieder einmal, wie menschlich sie ist. Mir tat es echt leid, wie sie da die falschen Punkte angesagt hat und man direkt mit ihr mit weinen wollte. Trotzdem hat sie ihren ersten Jury-Vorsitz dieses Jahr super gemeistert. Außerdem wird wohl nach 2010 Lena auch 2013 wieder im Gedächtnis bleiben. Und das macht so manche „Aussetzer“ der letzten Jahren an musikalischen Leistungen wett.

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© Sander Hesterman (EBU)

Emmelie de Forest also. Und während Europa jetzt „Only Teardrops“ singt, höre ich in ihr tolles Album „Only Teardrops“ rein, und muss sagen, verdient gewonnen! Stimme ist einfach atemberaubend schön. Außerdem hat sie damit auch den unverdienten 23. Platz für Dänemark (Soluna Samay: „Should’ve Known Better“) aus dem Vorjahr mehr als wettgemacht.

Ich freue mich auf Dänemark. Bin gespannt, wann entschieden wird, ob es nun Kopenhagen wird, oder nicht. Aber eines steht für mich fest, ich werde versuchen nächstes Jahr dort Teil des Publikums zu sein. Und wenn es nicht klappt, dann zumindest, so wie letztes Jahr, auf der Reeperbahn in Hamburg. Denn Fakt ist, mit Leuten, die den ESC genauso mögen, wie man selbst, so eine Nacht zu verbringen, ist viel cooler, als daheim zu sitzen und Punktekärtchen auszufüllen.

Bis nächstes Jahr in Dänemark.

 

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