Buch von:
Joanne K. Rowling
Price:
24,90 EUR

Reviewed by:
Rating:
4
On 2. September 2013
Last modified:5. Juli 2016

Summary:

Britischer Sarkasmus, gepaart mit einer Story, die vor allem für viel Interpretationsansätze sorgt. Zwar keine "Knall-Peng-Geschichte" á la "Harry Potter", aber eine Story, die zeigt, dass jeder ein Geheimnis hat. Und jedes dreckige Geheimnis und jede verleumderische Heuchelei aufgedeckt wird. Man sollte die wahren Probleme in der Welt nicht vergessen und nicht die Augen verschließen, nur weil der Stolz keinen Dreck auf der weißen Weste will. Dieser Roman schockiert und verurteilt zugleich. Anders, als man erwartet. Tragisch, ehrlich und real, wie das wahre Leben. Genial.

Britischer Sarkasmus, gepaart mit einer Story, die vor allem für viel Interpretationsansätze sorgt. Zwar keine „Knall-Peng-Geschichte“ á la „Harry Potter“, aber eine Story, die zeigt, dass jeder ein Geheimnis hat. Und jedes dreckige Geheimnis und jede verleumderische Heuchelei aufgedeckt wird. Man sollte die wahren Probleme in der Welt nicht vergessen und nicht die Augen verschließen, nur weil der Stolz keinen Dreck auf der weißen Weste will. Dieser Roman schockiert und verurteilt zugleich. Anders, als man erwartet. Tragisch, ehrlich und real, wie das wahre Leben. Genial.


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Zur Geschichte

Als Barry Fairbrother mit Anfang vierzig plötzlich stirbt, sind die Einwohner von Pagford geschockt. Denn auf den ersten Blick ist die englische Kleinstadt mit ihrem hübschen Marktplatz und der alten Kirche ein verträumtes und friedliches Idyll, dem Aufregung fremd ist.

Doch der Schein trügt. Hinter der malerischen Fassade liegt die Stadt im Krieg. Krieg zwischen arm und reich, zwischen Kindern und ihren Eltern, zwischen Frauen und ihren Ehemännern, zwischen Lehrern und Schülern. Und dass Barrys Sitz im Gemeinderat nun frei wird, schafft den Nährboden für den größten Krieg, den die Stadt je erlebt hat.

Wer wird als Sieger aus der Wahl hervorgehen – einer Wahl, die voller Leidenschaft, Doppelzüngigkeit und unerwarteter Offenbarungen steckt?

(Quelle: carlsen.de)

 

Meine Meinung

»Oh mein Gott! Sie hat es wieder getan! Endlich!« So in etwa hatte ich reagiert, als ich letztes Jahr erfuhr, dass J.K. Rowling ein neues Buch schreiben würde. Ein Buch für Erwachsene. Ein Thriller sollte es sein. Elf Monate nach Veröffentlichtlichung habe ich das Buch endlich (wieder) zur Hand genommen. Ich wollte endlich wissen, was die berühmte Autorin niedergeschrieben hat.

Wo fängt man nun am besten an, wenn man eine Rezension zu dem Buch verfassen will?

Vielleicht bei den Charakteren, die wichtig und weniger wichtig am Anfang alle in den Raum gestürmt kommen. Leichte Überforderung beim Händeschütteln und Vorstellen. Bloß die Namen merken und Beziehungen und … Stop! Entspann dich. Es sind zwar plötzlich ein Haufen Leute da, aber die ersten werden bald gehen. Andere werden zwischendurch für ein paar Lacher oder Unverständnis sorgen. Alles also halb so wild. Und außerdem wirst du dich von den andern gut unterhalten lassen.

Halb Pagford steht jetzt also hier. Ein Mann ist gestorben. Gemeinderatsmitglied, Familienvater und Ehemann, Verfechter und Befürworter von Fields und Bellchapel. Ein Mann des Volkes: Barry Fairbrother. Der Name ist Programm, auch wenn es erst am Ende des Buches wirklich einleuchtend ist. Man sollte also annehmen, dass die Leute angesichts der Situation ein bisschen Mitgefühl zeigen sollten. Nein. Denn Tatsache ist, durch Barrys Ableben wurde ein Platz im Gemeinderat frei. Der Machtkampf um den Platz ist nun eröffnet.

Ein plötzlicher Todesfall, J. K. Rowling

Gut, vielleicht sollte man doch beim Schreibstil anfangen. Das scheint einfacher zu sein, als auf die fast unzähligen Gäste im Nebenraum einzugehen. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Man kennt mittlerweile den Schreibstil von J.K. Rowling. Dazu kommt, die unterschwellige britische Bissigkeit. Leichtekost ist trotzdem was anderes. Es ist nicht unbedingt anstrengend, aber man muss sich schon konzentrieren, um am Ball zu bleiben. Dabei ist genau das, das worauf die ganzen Geschichten nebenan erbaut werden. Was auf dem ersten Blick anstrengend erscheint ist eigentlich genial. Denn in den Worte die vor den Augen daher laufen, steckt so viel mehr. Dass das Buch einer ausgiebigen Interpretation bedarf, lässt sich nicht leugnen. Dabei sind die Worte und Phrasen wichtig. Informationen zwischen den Zeilen. Man wird das Gefühl nicht los, das einem permanent der Mittelfinger ins Gesicht gestreckt wird.

Der Aufbau dagegen ist eindeutiger. Sieben Teile. Auf den ersten 200 Seiten ströhmen die Leute ins Zimmer. Irgendwann kommt die Geschichte von Pagford und der Nachbarstadt Yarvil in die Gesprächsrunde. Warum man das Randgebiet namens Fields meiden oder lieben sollte. Barry war klar ein Befürworter, nicht nur, weil er von dort herkommt. Er setzte sich für Menschen, wie Krystal und ihre Familie ein. Howard Mollison – Gemeinderatsvorstand – lässt nicht oft genug raushängen, wie sehr ihn Fields ankotzt. Schließlich sind die ganzen Junkies, die dort leben, selbst an ihrem Schicksal Schuld.

Ein plötzlicher Todesfall, J. K. Rowling

Nach und nach werden die einzelnen Beziehungen klar: Geheimnisse, Wut, Scham, Vergessenheit. Eine Kleinstadt mit vielen Schicksalen. Geschichten, die manche gerne durchlebten, von denen andere liebend gerne niemals Teil gewesen wären. Mit der Zeit (nach der Vorstellrunde eigentlich sehr schnell) lernt man Menschen, wie Krystal Weedon (Tochter von Terri einem Junkie und als „Nutte“ verschriebene; gemeinsam mit ihrem Bruder Robbie in Fields lebend), Sukhvinder Jawanda (verhasste Tochter von Ärztin Parminder und gedisste Schülerin an der Winterdown Gesamtschule) oder Andrew Price (Sohn von Simon Price, heimlich verliebt in die Neue aus London und bester Freund vom Sohn des Schulleiters) lieben. Vor allem Krystal und ihr Schicksal und ihre Verbindung zu Barry, hat mich am meisten an dem Buch ergriffen.

Drogen, Sex und Macht. Die Kombination ist prekär und explosiv. Doch vor allem eins: Aufweckend. Real. Verstöhrend.

Nebenbei bemerkt, dass der Titel „Ein plötzlicher Todesfall“ ein Mysterium insich selbst ist. Da spiegelt sich zum einen eine unglaublich schockierende Dramatik wider und gleichzeitig, wird es so dargestellt, als wäre es etwas beiläufiges. Etwas unwichtiges, was da aufeinmal versucht Aufmerksamkeit ansich zu reißen. Ein Störfaktor der etwas ins Rollen brachte, was lieber nicht rausgeholt werden sollte.

Vermutlich war der Titel bereits Schuld daran, dass sich die ganzen Charaktere kopflos in die Fluten stürzten und gar nicht bemerkt haben, was sie damit anrichten würden …

Mein Endfazit

Das Buch ist vielleicht kein Buch, dass einen eindeutigen Faden durchscheinen lässt – zeigt aber am Ende den Rattenschwanz, den man die ganze Zeit mitgezogen hat. Am Ende kommt halt immer der „ganze Mist“ zusammen.

Das Buch hat einen irgendwie total schockiert und am Ende emotional kaputt gemacht. Aber, wie schreibt man jetzt am besten eine Rezension darüber? Ich weiß nicht mal, wie ich das Buch überhaupt bewerten soll. Es war einfach – Krass.

Insgesamt habe ich mich jetzt am Ende des Buches so gefühlt, als hätte meine Lieblingsserie ihre letzte Folge ausgestrahlt. Und genau das Gefühl kam auch stark hervor am Ende. Ich hatte Wut im Bauch; Mitleid und Unverständnis; Trauer, ganz viel Trauer (und Tränen). Das Buch ist ein Wälzer. Krass, real und, wie Fats sagen würde: Authentisch. Mit etwas Geduld auf den ersten 200 Seiten kann man das Buch genießen. Und irgendwie auch lieben lernen.

Ich hatte keine großen Anforderungen an das Buch. Es sollte mich einfach mitreißen – das erwarte ich von jedem Buch. Ich habe ausgeblendet (am Anfang eher schlecht als recht), von wem das Buch geschrieben wurde, und es funktionierte. Keine Vergleiche zu ihren Kinderbüchern. Dass das Buch eindeutig an Erwachsene gerichtet ist, ist weder an dem Wortlaut noch an den Inhalten der Geschichte abzustreiten gewesen (und an den unverblümt dargestellten Szenen).

Ein plötzlicher Todesfall, J. K. Rowling

Das Buch hat mich nicht nur am Ende verstört. Zwischendurch musste ich Dinge erfahren, von Charakteren, die ich lieb gewonnen hatte, und mir wurde schlagartig schlecht (weil ich nichts unternehmen konnte, um ihnen zu helfen). Es fiel mir unglaublich schwer – und immer noch – das Gefühl, was ich nach dem Lesen des Buches hatte, eindeutig in Worte zu fassen. Der Einstieg ins Buch war deutlich das schwerste. Ich fand die Nebenstories nicht unbedingt langatmig, auch, wenn ich manche nicht ganz so sinnvoll empfand.

Rundum stimmte im Aufbau – typisch Rowling – von Anfang bis Ende alles. Es lohnt sich, am Anfang etwas Zeit zu investieren, um alles zu verstehen, das Buch wird es einem im Laufe der Seiten danken. Auch die Bewertung des Buches musste ich mir lange überlegen. Es war kein Burner-Buch, dass die kompletten 5 Sterne verdient hatte. Aber es war auch nicht so schlecht, um mit den Mittelmaß-Büchern und 3 Sternen nach Hause gehen zu müssen. Letztendlich entschied ich mich für 4 Sterne. Warum, muss ich nicht groß erklären.

Ich überlegte den ganzen Tag schon, wie ich am besten meine Meinung dazu äußere – aber es hat mich einfach krass schockiert, irgendwie. Und nein, ich fand es ganz und gar nicht schlecht. Es war sogar gut. Aber verstörend gut.

Buchdaten

Titel: Ein plötzlicher Todesfall
Originaltitel: A Casual Vacancy
Autor: Joanne K. Rowling
Buchtyp: Hardcover
Genre: Gegenwartsliteratur
Reihe? Nein
Seiten: 576
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Erscheinungsdatum: 14.01.2013
Verlag: carlsen
ISBN: 978-3551588883
Preis (UVP): 24,90 Eur[D]