Samstag, 22. Februar 2014

Manchmal frage ich mich, warum man eigentlich ständig schief angeschaut oder dumm angemacht werden muss, nur weil man ein Hobby hat, was der gegenüber nicht hat. Das fing schon im Kindergarten an, als ich eine Vorliebe für das Strategie-Spiel „Dame“ entwickelt habe, meine Schuhe mit Schnürsenkeln binden konnte und meinen Namen schreiben. Und das alles mit drei oder vier Jahren. Die anderen wollten rumturnen und ich die Welt erforschen – oder alle im Kindergarten in „Dame“ schlagen.

Moment, ich driffte vom Thema ab. Okay, also noch einmal von vorn. Jeder Menschen hat ein Hobby, egal in welcher Form, Größe, Farbe oder Sprache. Irgendwas wird da sein, und wenn es nur „Leute dumm anmachen ist“ (wobei ich das zweifelsohne als wirklich ideenlos empfinde). Man möchte darin akzeptiert werden und vielleicht gute Freunde mit einbeziehen. Nicht selten ist es jedoch der Fall, dass eben diese guten Freunde, sehr guten Freunde, ja teils die Familie, einen mit einem schiefen Blick anstarren.

Ich für meinen Teil hatte vor meiner „Buchblogger-Karriere“ (haha) vor allem Interesse an Konzerten, was ihr sicherlich schon bemerkt habt. Leider waren die alle zu weit weg und alles zu teuer – einer der vielen Gründe, warum ich eine große Stadt ziehen wollte. Aber auch an Webseiten, natürlich Musik (was bei Konzerten irgendwie unabdingbar ist) und dem schreiben von Gedichten und Geschichten war ich immer interessiert. Schon während meiner Schulzeit hatte mich meine beste Freundin belächelt, wenn ich die ganzen Musikmagazine zitieren konnte. Noch heute weiß ich, dass Britney Spears am 02. Dezember geboren wurde. Ich wurde in meinem Hobby nie ernst genommen. Doch sobald ich mit ihr die Leidenschaft mit Silbermond geteilt habe, war es plötzlich nicht mehr lächerlich.

Okay, ich verrenne mich schon wieder. Während meines Studiums habe ich nun meinen Buchblog aufgebaut. Von einigen meiner Freunde an der Fachhochschule wurde ich also nicht nur wegen meines Interesses an der Popkultur belächelt. Nein, seit das mit den Büchern losging, wurde es fast seltsam. Da fielen Sätze wie „Was macht man 5 Tage auf der Buchmesse?“, „Was bloggt man eigentlich auf einem Buchblog?“ oder „Warum kaufst du Bücher, du hast doch schon so viele?“

Ihr kennt diese Sätze, oder ähnliche. Ich weiß es, ihr wäret nicht hier, wenn ihr nicht irgendwie Interesse an Büchern hättet – außer Google hat euch hier her gebracht, weil ihr Fotos klauen wolltet. Spaß beiseite. Ich weiß gar nicht, wie oft ich mir das alles schon anhören musste. Und immer steht man nur da und lächelt und betont, dass es halt ein Hobby ist und das man nur verstehen kann, was es bedeutet, wenn man es teilt.

Bücherregal Wand 2014-02-18_0001

Eine Freundin von mir ist der totale Spiele-Nerd. Ich habe immer das Gefühl, dass sie sämtliche Playstation-Spiele, die entwickelt wurden, kennt. 2011 waren wir gemeinsam mit anderen Freunden in Köln auf der „GamesCom“. Einen Tag, muss ich dazu sagen. Erst dachte ich, warum nicht. Nach zwei Stunden war mir schlecht und ich hatte keine Lust mehr. Jetzt denken sich die ganzen Zocker: WOAS?! Aber so ist es nunmal. Ich hab früher gerne mal Pokémon gespielt. Und 1-2 nette PC Spiele habe ich auch. Aber das war für mich einfach unerträglich dort.

Andersrum weiß ich, dass ich sie niemals auf die Buchmesse mitschleppen wollen würde. Warum? Ratet mal. Sie würde schon vorher fragen: „Was soll ich denn da, Bücher angucken kann ich mir auch im Internet?“

Für uns Buchblogger ist die Messe nicht nur ein Erlebnis, wegen der Bücher, sondern auch wegen der Menschen, die man trifft. Eine ganze Community lernt sich kennen. Sowas kann man nicht auf einen Tag runterbrechen. Ihr versteht mich, oder?

Okay, worauf wollte ich jetzt nach dem ganzen Blah-Blah hinaus? Ich hatte vor Kurzem ein Gespräch mit meiner Schwester. Meiner zweiten Hälfte, meiner besten Freundin. Ja, und ihr ahnt was jetzt kommt. Ich hatte gemeint, dass ich mir Bücher gekauft hätte und total stolz war, dass es „nur“ so wenige waren und die ersten Bücher seit Dezember.

Och, Heffa. Dein Ernst? Wozu kaufst du dir Bücher? Du hast doch noch so viele im Regal, die du lesen willst. Und Platz im Regal hast du auch keinen mehr.

Mir stockte fast der Atem. Ich wusste nicht einmal, was ich darauf antworten sollte. Sie selbst spielt ab und zu Spiele, ist XBOX Fan (hat zwar keine, aber okay) und Apple (die Kombi selbst ist schon witzig, wenn man bedenkt, dass XBOX von Microsoft ist). Allerdings geht sie auch gerne auf Konzerte – in der Hinsicht verstehen wir uns ohne „Muss das denn sein?“.

„Weißt du, es geht nicht darum, dass ich noch viele Bücher zu lesen habe. Es geht darum, dass es ein Hobby ist. Eine Sucht.“

„Das ist aber ein doofer Vergleich.“

„Okay, ich gebe dir ein Beispiel. Ich für meinen Teil finde ist total bescheuert, was die XBOX One betrifft. Ich meine, da kommt eine neue Konsole raus, alle wollen sie an exakt dem Tag des Release haben.“

„Ja, natürlich. Die XBOX ist ja auch geil.“

„Ja, aber warum wartet man nicht, bis sie eine Weile draußen ist. Vielleicht gibt es sie in 2-3 Wochen später günstiger. Und vielleicht gibt es dann auch endlich Spiele dafür. Ich meine, wozu besitzt man eine Konsole, wofür es noch nicht einmal Spiele gibt.“

„Ach, das verstehst du nicht. Bei sowas kann man eben nicht warten.“

„Siehst du. Das ist eine Sucht. Genauso ist das bei Büchern. Ich kann dir nicht erklären, warum ich mir immer und immer wieder Bücher kaufen muss, obwohl ich weiß, dass ich einige davon niemals lesen werde. Aber trotzdem befriedigt mich der Kauf auf eine seltsame Weise. Danach fühle ich mich gut. Es beruhigt mich, weil ich weiß, dass ich etwas Gutes getan habe.“

„Das … ergibt über-haupt kei-nen Si-nn!“

„Eben, weil du es nicht verstehen kannst, außer die teilst dieses Verlangen. Wenn ich so eine Zockerin wäre, würde ich die ganzen Spiele-Nerds auch besser verstehen. Aber weil ich weiß, dass es ein leidenschaftliches Hobby ist, kann ich es akzeptieren. Und im Grunde teilen wir ja doch diese eine Gemeinsamkeit: Wir haben ein Hobby, für das wir kämpfen, leben und es über alles lieben.“

So in etwa verlief das Gespräch mit meiner Schwester (nur etwas weniger poetisch und vermutlich mehr umgangssprachlich und mit Dialekt). Wie erklärt man denn nun am besten, was so toll am Lesen ist oder am Bücher kaufen. Ich meine, ihr seid doch auch „Buch-Nerds“. Wie geht ihr mit so etwas um, wenn euch die Leute schief angucken, weil ihr von Büchern schwärmt. Weil ihr tagelang glücklich seid, Bücher gekauft zu haben. Traurig, weil ein Buch zuende ist. Nächte durchlest, weil eine Geschichte so spannend ist.

Im Grunde wollte ich mit dem Beitrag einfach nur klar stellen, dass kein Hobby verrückt ist. Denn wenn man anderen ihre Hobbys nicht eingestehen kann, warum sollte man verlangen, dass die eigenen Hobbys verstanden werden. Wir sollten es besser wissen, als andere, denn das Lesen wird heute noch für witze gebraucht („Wer liest denn heutzutage noch Bücher?“ oder „Lieblingsbuch? Ich mache ja viel Scheiße mit, aber irgendwann ist genug!“).

Und um eines noch einmal klar zu stellen:

Man kann niemals zu viele Bücher im Regal haben. Man hat nur zu wenig Regal für die Bücher.
Heffa Fuzzel