Sonntag, 02. März 2014

In den letzten Tagen war es nicht unbedingt einfach für unsere Bücher. Wir lieben sie, keine Frage. Aber sie werden von einigen regelrecht vernachlässigt. Es wird gelacht, geweint und gefeiert. Aber ohne Bücher. Was früher total selbstverständlich war, dass wir diese Gefühle mit den Büchern teilten, wird nun auf der Straße mit wildfremden Menschen gefeiert. Wobei „Mensch“ hier vielleicht fehl am Platz ist, wenn einem ein Waschbär anschaut, der Gummistiefel anhat. Oder eine Domina, die eindeutig gestern noch keine Frau war. Was das heißt? Bücher wurden in diesen Tagen durch etwas ersetzt, was ich persönlich als Sünde sehe: Karneval.

Überall lachen sie einen an, die Narren verkleidet als Fruchtzwerg, Tiere oder Baum. Ballerinas tanzen einen entgegen, Tinker Bell verzaubert jeden oder Cowboys schießen mit Platzpatronen. Und was fällt uns hier auf? Richtig, niemand verkleidet sich als Buch. Nur selten trifft man auf Karnevalisten, die sich als Romanfiguren verkleiden.

Gut, sich als Buch zu verkleiden, könnte schwierig sein. Dennoch, die Jecken, die normalerweise stundenlang im Bett liegen und lesen, vergessen in den Tagen ihre Bücher. Ihre eigentlich große Liebe. Ihren besten Freund. Sie tun so, als wäre der Karneval das, was sie in ihrem Leben am meisten erfüllt. Die Menschen, die sonst im Park liegen, um dieses Wetter mit ihrem Buch zu verbringen, tanzen auf der Straße und gröhlen und machen Lärm.

Und wo endet diese Heuchelei am Ende? Richtig, unter dem Tisch. Denn sie haben sich unter den Tisch gesoffen. Vielleicht sogar noch tiefer. So etwas wäre beim Lesen nicht passiert. Niemand liest und trinkt dabei, aus Angst das Buch zu beschmutzen.

Vielleicht ist das auch der Grund dafür, warum Bücher keinen Karnevall feiern. Sie müssten sich verkleiden, schminken und trinken. Wir können uns wohl vorstellen, wie das enden würde: Das Buch zerstört sich selbst und wirft sich letztendlich in den Müll. Es könnte mit dieser Schande nicht mehr leben. Die Schminke würde nie wieder aus seinen Seiten gehen. Die Flecken von Essen und Trinken blieben für die Ewigkeit, wie Tattoos auf der menschlichen Haut.

Bücher feiern keinen Karneval, weil sie sich selbst schon gut verwandeln können. Was am Anfang noch ganz klar schien, ändert sich am Ende schlagartig. Man weint, man lacht. Man feiert mit dem Buch, wenn das Liebespaar endlich doch zueinander findet.

Bücher brauchen keinen Karneval, denn sie sind auch ohne diese Festnacht-Feierei glücklich. Sie können von ganz alleine ein großes Feuerwerk entfachen.

Karneval ist nur wenige Tage im Jahr, und beglückt die Jecken nur einen Moment – die meisten Kinder werden 9 Monate später geboren. Bücher gibt es das ganze Jahr und lassen uns mehr als nur einen Moment in Fremde Welten abtauchen. Ohne, dass man sich verkleiden muss. Ohne Schminke. Ohne Alkohol. Ohne Kapelle, die im Gleichschritt den Marsch bläst. Ohne Festtagsredner mit roter Nase und Dialekt, die so unlustig sind, wie ein trockenes Brot saftig und fruchtig.

Bücher feiern keinen Karneval, weil sie viel glücklicher sind, als Jecken jemals sein könnten.

Dieser Beitrag ist mit einer Menge Ironie verpackt worden und auch als solches zu verstehen.