Eurovision Song Contest 2014

Eurovion Songcontest 2014 - Logo #JoinUs

Gegen 1 Uhr heute Nacht stand er fest, der Sieger des diesjährigen Songcontests. Und wie ich bereits vermutet habe: Er verbirgte sehr viele Überraschungen. Seit 7 Jahren hat mal wieder ein Transvestit-Künstler ganz weit vorne das sagen. Damals die silber glitzernden Ukrainischen „Verka Serduchka“, die seither nicht nur bei mir mit ihrem Beitrag von damals „Dancing Lasha Tumbai“ (Platz 2) für gute Laune sorgten. Nein, damals gewann auch eine lesbische Sängerin Marija Šerifović für Serbien. Damals war die Gay-Community oder „Das Regenbogen-Land“ wie sie seit heute Nacht heißt, am Hebel und votete Künstler und deren Musik. Unabhängig von sexueller Ausrichtung, politischer Situation. Ganz ESC halt.

Dieses Jahr gewann Österreich. Conchita Wurst mit sehr vielen Sympathien in Europa (ja, sogar in Ost-Europa) – ein möglicher Grund natürlich auch wegen der Kunstfigur selbst: Sie ist nur eine Frau mit einem Bart.

©Thomas Hanses (EBU)

© Thomas Hanses (EBU)

Bereits während (und vor allem danach) des zweiten Halbfinals waren die Menschen in Kopenhagen/Dänemark total außer sich, als Conchita Wurst die Eurovision Songcontest 2014 Bühne das erste Mal betrat. Mit „Rise like a phoenix“ einem Song voller Glamour und Power, wie er selbst in großen James Bond Filmen nicht hätte passen können. Die Halle bebte. Als Dank wurde sie von den Stimmberechtigten Deutschen, Italienern und Menschen aus dem UK ins Finale gevotet. Besonders gemein, dass sie als letzte auf ihre Zusage warten musste.

Okay, wir wissen jetzt, die #Wurst hat es gemacht. Und um noch einen Wurst-Witz hinterher zu drücken: The Wiener takes it all!

Eurovision Songcontest 2013 Winner Emmelie de Forest

© Sander Hesterman (EBU) – Emmelie de Forest in Malmö 2013

Fangen wir von vorn an. Im vergangenen Jahr, in Malmö, Schweden, gewann die junge Dänin: Emmelie de Forest. Ein verdienter Sieg damals, wie ich noch heute finde. Eine natürliche Wundertüte. Stimmlich super, menschlich total sympathisch. Das ist jetzt ein Jahr her und dank ihr soll der Eurovision Songcontest (kurz: ESC) nun also auf dänischem Boden stattfinden. Lange war nicht klar, wo genau. Man entschloss sich am Ende für die Hauptstadt Kopenhagen. Für den ESC musste aber auch eine Halle her. Wie erst vor wenigen Tagen bekannt wurde, wurde sehr viel Geld in den Umbau einer alten, stillgelegten Werft gesteckt (weswegen wohl sehr viele Schulden angehäuft wurden).

ESC Opening Ceremony red carpet Emmelie de forest

© Sander Hesterman (EBU) – Emmelie de Forest auf dem roten Teppich bei der Eröffnungsfeier des ESC 2014

Halb-Finale

Am 06. Mai 2014 startete der ESC 2014 in Kopenhagen, Dänemark. Und das ging direkt mit einem Gänsehaut-Gefühl los. Seit 2011, als Düsseldorf, Deutschland der Austragungsort war, gab es keine ESC-Show mehr, die so gefesselt hatte. Daher waren die Erwartungen an Dänemark sehr groß (zumindest von meiner Seite her).

Das bereits erwähnte Gänsehaut-Gefühl setzte sein, als hunderte Menschen, verschiedener Nationen begannen zu summen. Nicht in der Halle, sondern auf dem Screen. Gemäß dem Motto #JoinUs und der sozialen Netzwerk-Koppelung, waren im Vorfeld alle aufgerufen ein Video zu machen und den Gewinner-Song des letzten Jahres „Only Teardrops“ zu singen. Und der Zusammenschnitt mit Szenen, wie die Vorjahres Gewinnerin durch Dänemark geht und mit der „Auflösung“ von Emmelie de Forest auf der Bühne war toll, grandios und einfach spektakulär. Ich liebe es! Es ist zu schade, das Opening nur zu verlinken, daher sei es mir verziehen, dass ich es euch jetzt hier einbinde.

Es gab natürlich auch dieses Jahr wieder eine Menge weiterer Künstler, die man erwähnen muss. Im Vorfeld haben mal wieder die Wettbüros für Aufruhr gesorgt. Vor dem ersten Halbfinale war nämlich Armenien der Gewinner der Buchmacher. Doch mit dem ersten Halbfinale sank der Beitrag im Ranking der Wettbüros (am Tag des Finales, war der Song gerade noch in den Top 5). Dass Armenien nicht gewonnen hat, wissen wir jetzt. Und ganz ehrlich, so stark war Song im Finale dann doch nicht. Aram MP3 setzte dem noch einen drauf, denn seine Stimme versagte zu Beginn des ruhigen Teils seines Songs „Not Alone„.

Doch plötzlich war auch von Schweden und den Niederlanden die Rede. In den folgenden Tagen, wechselten diese Songs regelmäßig die Reihenfolge bei den Wettbüros. Ja, bis das zweite Halbfinale kam. Und wie es kam. Von den Musikern her, waren meine Favoriten bereits im ersten Finale vertreten gewesen und im Finale, daher aus meiner Sicht das zweite Halbfinale nicht ganz so stark.

Winner second semi final esc 2014 credit Andres Putting (EBU)

© Andres Putting (EBU) – Gewinner des zweiten Halbfinales

Doch ausgerechnet hier, trat die spätere Gewinnerin auf. Spätestens nach ihrem Auftritt, hatten sie alle auf der Karte. Und die Wettbüros? Nun, aus Österreichs eher Mittelfeldplatz wurde plötzlich Platz 2 direkt nach Schweden.

In den folgenden Tagen überschlugen sich die Meinungen der Presse und im sozialen Netzwerk. Auf Youtube polarisierten Kommentare unter dem Beitrag von Conchita Wurst so krass, dass einem die Homophobie böse ins Gesicht schlug. War Europa doch nicht so offen, wie das Projekt aus Österreich es erhoffte?

Beim zweiten Halbfinale war ein besonderes Highlight, abseits von den Performances der Teilnehmer, der Auftritt von Australien. Das Land ist seit Jahren ESC Zuschauer. Sie lieben den ESC und hoffen eines Tages dabei sein zu können (was schwierig ist, weil sie dazu Teil der EBU sein müssten). Dieses Jahr sollte es ihnen auf witzige Art und Weise möglich gemacht werden. Eine kleine australische Show, mit Musical Charakter, rollte über die Bühne. Total liebenswürdig und gute Laune Stimmung in der Voting-Pause.

Was mir bei den Halbfinals auf den Magen schlug waren einige Voting-Ergebnisse. Zum Beispiel bin ich bis heute sehr traurig, dass Israel dieses Jahr keinen Platz im Finale bekam. Eines der starken Songs im Halbfinale. Dafür kamen schlechte Songs weiter (z. B. Weißrussland). Ralph Siegel schaffte es seit langem mit der Sängerin aus San Marino ins Finale. Das war eine wirkliche Überraschung, denn der Song ist einfach nichts großartiges oder besonderes gewesen. Dagegen stand einzig die grandiose Stimme der sympathischen Sängerin.

Winner first semi final esc 2014

© Andres Puttin (EBU) – Gewinner des ersten Halbfinales

Außerdem fand ich es mega unfair, dass die Leute Politik und ESC verwechselten. Ich niemandem den (berechtigten) Unmut gegen die Politik Russlands streitig machen. Aber die 16-jährigen Zwillinge, dafür aus zu buhen ist einfach unterste Kiste. Ich habe im Sport gelernt: Niemand verdient es aus gebuht zu werden. Und Musiker aus zu buhen, nur weil die Politik des Heimatlandes … „kaputt“ ist (um es milde auszudrücken), ist nicht der richtige Weg. Es ist unsportlich und intolerant. Ich habe im Anschluss gelesen, nach dem die Zwillinge ausgebuht wurden, flossen bittere Tränen. Man überlegte sogar, Russlands Auftritt ganz ab zu sagen, aus Befürchtung die Mädchen könnten es nicht verkraften.

Besonders gefreut habe ich mich im ersten Finale für meine Favoriten und Wackelkandidaten: Island. Als ich das Musikvideo von denen sah, wusste ich, dass sie auf meine Favoriten-Listen kommen müssen.

Grand Finale

10. Mai 2014 Kopenhagen, Dänemark. Es ist 21 Uhr. Nun gilt es. Auch die Big 5 (die fünf großen Geldgeber: Spanien, Italien, UK, Frankreich und Deutschland) waren nun gemeinsam mit dem „Last-Year-Winner“ Dänemark endlich vertreten. Meinungen dazu konnte man nur wenig erfahren, da die sechs Länder noch keinen großen Auftritt im TV hatten. Dennoch waren Spanien und besonders das UK unter den Favoriten des Abends. Gerade für das UK ein besonders großer Erfolg bis dato, waren sie die letzten Jahre eigentlich immer bei den Schlusslichtern. Sollten sie dieses Jahr endlich wieder vorne mitspielen? Laut den Buchmachern: Auf jeden Fall.

Das Grand Finale Opening war voller Peng-Peng Pyro. Konnte meiner Meinung nach aber nicht mit dem aus dem ersten Halbfinale mithalten. Einzig das Einmaschieren der einzelnen Länder war hier besonders nennenswert. Denn das gehörte mit zum Thema #JoinUs. Dieses Jahr sollten die Künstler näher ans Publikum und an die Fans getragen werden und das hat wirklich sehr gut funktioniert. Der Green Room, der immer abgeschottet vom Publikum im Hintergrund zu finden war, war dieses Jahr direkt unter den Menschen. Hautnah und menschlich. Das hat mir wirklich wunderbar gefallen und die Künstler näher gebracht.

Conchita Wurst ESC 2014 Winner Performance

© Andres Putting (EBU)

Während der Punktevergabe wurde mal wieder unsportlich gebuht, wenn Russland hohe Punkte erhielt und hatte seinen traurigen Höhepunkt, als die russische Bekanntgabe war. Sowas muss nicht sein, wirklich nicht. Überraschend, dass Conchita Wurst 5 Punkte aus Russland bekam.

Danke an Dänemark für die teilweise wirklich Gänsehaut-Feeling-Show.

Mein Fazit

Österreich war nicht unbedingt ein großer Favorit von mir (im Vergleich zum letzten Jahr, wo ich voller Euphorie fast ausschließlich für Dänemark gevotet habe). Dennoch fand ich, dass sie den Gewinn verdient hat, allein dafür, dass sie in Österreich kämpfen musste. Selbst hier in Deutschland bekam man mit, dass nicht alle begeistert waren von ihr. Letztendlich hat einfach die Sympathie (und die Stimme) zur Kunstfigur gewonnen.

Meine Langzeit-Favoriten waren am Ende auch sehr stark: Schweden, Niederlanden, Ukraine (Hamsterrad FTW), Ungarn.

Schade, dass das UK, Italien, Spanien und Finnland anders als meine Erwartungen abgeschlagen waren. Dass es das UK geschafft hat 1 Punkt besser zu sein, als Deutschland, ist da noch eine Leistung. Total ungerechtfertigt, wie ich finde, weil Molly stimmlich einfach genial war. Dänemark war vor allem für Gute Laune meinerseits zuständig. Als Basim auf der Bühne war, musste ich einfach lachen, mitsingen und man kann fast sagen, dass ich dazu getanzt habe.

Conchita Wurst ESC 2014 Winner

© Thomas Hanses (EBU)

Was mich noch geschockt hat, war, dass es aus Deutschland sowohl im zweiten Halb-Finale, als auch im Finale sehr viele Punkte für Polen gab. Vermutlich auch berechtigt. Der Song ist eigentlich sehr eingängig. Thematisch und bühnentechnisch war es aber eine Präsentation der weiblichen Körper. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob wir hier mehr Punkte für den Song gaben oder den Frauen auf der Bühne?

Und was ist mit Deutschland? Nun, wir hatten einen guten Song. Elaiza waren auf dem Punkt da. Aber gegen die Konkurrenz war es von vornherein sehr schwer. Punkte aus Polen und Ukraine gab es, wie erwartet. Georgien und Armenien überraschten mich mit guten Punkten. Ansonsten gab aus noch gute Punkte aus der Schweiz und ein paar kleine Pünktchen aus Slowenien und Rumänien.

Hoffentlich fangen jetzt nicht wieder die Hetzer an und schreien, dass uns Europa hassen würde. Das ist totaler Unfug.

Meine 20 Stimmen haben sich auf die Niederlande, Schweden, Österreich, Dänemark, Island, Italien, Russland, Ukraine, Finnland und dem UK verteilt. Einige natürlich mit mehr Stimmen. Wenn ich das mit dem letzten Jahr vergleiche oder dem davor, war es dieses Mal doch breit gefächert, gingen letztes Jahr fast ausschließlich meine SMS für Dänemark raus.

Gewinner mit einer Botschaft

Eurovision Gewinner: Österreich (Flagge, Logo, Song, Künstlerin)

Seit 1 Uhr heute Nacht ist es dann auch offiziell: Österreich gewann mit Conchita Wurst und „Rise like a phoenix“ den ESC. Der zweite Gewinn des Landes. Das erste Mal ist auch schon eine Weile her und war 1966. Quasi aus der Asche empor gestiegen mit einem glamourösen Phönix.

Ich hatte von Beginn an das Gefühl, dass Österreich dieses Jahr seinen Lena-Erfolg haben wird. Stimmlich war Conchita wirklich sehr gut. Der Song mir persönlich zu glamourlastig und mehr eine James Bond Hymne. Doch genau wie bei uns 2010, war der Erfolg lange Zeit nicht vorhersehbar. Doch Conchita war einfach (wenn man es so sagen kann und auf die Kunstfigur reduziert) sehr natürlich und bodenständig. Sie hatte einfach Charisma, stach in der Masse von Trash-Pop, Dance-Club-Sound und Folk-Musik heraus.

This night is dedicated to everyone who believes in peace and freedom. We are unstoppable!Conchita Wurst, 11. Mai 2014

Während der Gewinner-Pressekonferenz nervte mich irgendwann nur noch, dass das ganze Projekt, wie es immer hieß, auf die Botschaft reduziert wurde, dass es „Das Regenbogenland“ vereinigen soll. Ich finde, dass Conchita sich darauf nicht reduzieren lassen muss. Dann hätte Island auch gewinnen müssen, weil sie keine Vorurteile fordern im Song „No Projudice“.

Nächstes Jahr findet der ESC in Österreich statt, so viel wurde während der Pressekonferenz bestätigt. Ob es am Ende wirklich klappt, wird sich zeigen. Sollte kein Veranstaltungsort gefunden werden, wäre ich nochmal für Deutschland – so ganz unparteiisch :P

Wir sehen uns wieder, in Austria 2014.

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