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Das Literaturhaus ♦ Die Lesung ♦ Fragerunde und Signierung ♦ Mein Fazit

Was für ein Abend! Noch vor einer halben Woche war undenkbar, dass ich den vergangenen Abend in Frankfurt in einem Literaturhaus sein würde. Doch nun kann ich euch voller Gewissheit sagen: Ja, ich habe es getan. Ich war auf einer Lesung außerhalb einer Buchmesse. Das heißt: Platz zum sitzen, ruhige Kulisse, keine Leute die immer reinquatschen, weil die Leute bis in die Gänge stehen. Ich werde euch gleich alles erzählen, was ich besonders nennenswert erachte und euch vielleicht einen kleinen Reiz geben, auch mal eine Lesung zu besuchen.

Zunächst aber eine kurze Geschichte, wie es dazu kommen konnte. Es muss Sonntag gewesen sein, als ich plötzlich auf Facebook von mehreren Leuten bei einem Artikel vom Loewe Verlag markiert wurde. Lange Rede, kurzer Sinn: Aufgrunddessen entschied ich mich (spontan) ein Ticket für die Lesung in Frankfurt/Main zu kaufen, auf der Kai Meyer und Ursula Poznanski lesen sollten. Vermutlich wäre ich niemals darauf gestoßen, hätten mich zwei gewisse Leute (ja, sie wissen, dass sie JETZT gemeint sind) nicht dazu angestiftet, den neuen Poznanski zu kaufen, den es schon zwei Monate vor offiziellem Release Vorort geben sollte.

Wie wir wissen kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. Aus zwei Büchern, die ich mitbringen sollte, wurden rasant sechs Bücher! Dann bestand plötzlich die Gefahr, dass pro Person nur eine limitierte Anzahl an Exemplaren verkauft werden dürfte. Daraufhin fragte ich beim Verlag auf Facebook, wie das geregelt werden würden. Loewe gab grünes Licht und so machte ich eine Liste.

Das Literaturhaus Frankfurt/Main

Noch vor der Lesung, genauer gesagt an der nächstgelegenen S-Bahn-Station Ostendstraße traf ich auf Ira (Jades Bücherstube), die ich bereits mehrmals bei den Blubberstammtischen von Anka (Ankas Geblubber) in Stuttgart getroffen habe. Gemeinsam fuhren wir mit der Tram zwei Stationen. Am Literaturhaus angekommen, herrschte erst einmal Verwirrung. Im Erdgeschoss fragten wir kurzerhand, wo die Lesung stattfinden würde (das war in einem Café und wie der Zufall es so wollte, saß am Ende des Raumes auch Frau Poznanski). In der zweiten Etage trafen wir dann direkt auf Lisa (Books and Senses).

Das Literaturhaus wirkte im ersten Moment sehr, wuchtig. Ja, ich glaub wuchtig ist das richtige Wort. Alles war weiß und ich musste an Gilmore Girls denken, obwohl die Szene, an die ich dachte (Rorys Schulabschluss an der Chilton) ja doch anders war. Aber dieses Gefühl, war ähnlich, auch wenn sich die Gebäude nicht wirklich ähneln.

Literaturhaus im Detail

Fünf Minuten vor Einlass, wurden bereits die ersten Bücher verkauft. Und wie ihr nun schon wisst, hatte ich die unglaublich tolle Aufgabe viele (!) Bücher zu kaufen. Das war ein Highlight des Vorabends, ich sag’s euch. Am Ende hatte ich acht Bücher der „Die Verratenen“-Trilogie gekauft (sechs „bestellte“ Bücher von Band 3 und einmal Band 2 und 3 für mich selbst, leider hatten sie Band 1 nur als Taschenbuch da). Ein Glück, dass ich alles per Vorkasse gemacht habe, denn fast 152 Euro wären auch für mein Sparschwein etwas viel geworden :P

Der Lesungssaal war ein Traum für jeden Buchliebhaber. Die Wände bestanden quasi aus Büchern. Von der Decke hingen Stifte, das Licht hatte eine angenehm warme Helligkeit. Es wirkte sehr harmonisch und irgendwie, wie zuhause. Ich habe versucht etwas von diesem Raum auf Fotos festzuhalten, aber diese können doch nicht wiedergeben, was man selbst mit eigenen Augen sehen konnte.

Lisa, Ira und ich unterhielten uns die ganze Zeit über Bücher. Was sollten Buchblogger- und junkies auch sonst machen – über Pferde reden? Ich war froh, dass ich die beiden traf, so musste ich die Wartezeit nicht mit Langeweile überbrücken.

Die Lesung

Kait Meyer während der Lesung aus "Phantasmen"

Gegen 19:30 Uhr (genau kann ich das nicht sagen, weil ich mit Quatschen beschäftigt war) betraten Kai Meyer und Ursula Poznanski den Saal. Nach einer kurzen Einleitung durch einen Vertreter des Literaturhauses, wurden uns anschließend die beiden Autoren vorgestellt. Angefangen mit Kai Meyer. Der Autor las aus „Phantasmen“ vor. Seine ruhige Stimme fand immer zur richtigen Zeit die perfekte Betonung. Man hing ihm an den Lippen. Soweit ich mich erinnere, hatte ich ihn noch bei keiner Lesung angetroffen. Schande über mein Haupt.

Jeder der bereits Bücher von Kai Meyer gelesen hat, weiß, was ich meine, wenn seine Worte sehr intensiv wirken. Und sie wirken noch dreimal intensiver, wenn er sie persönlich vorliest. Das war wirklich äußerst sympathisch.

Nach dem er uns sehr neugierig auf das Buch gemacht hat, nicht zuletzt, weil er mit einem gewaltigen Cliffhanger endete, erfolgten zwei, drei Fragen des Interview-Mannes (der auch durch den Abend führte).

Ursula-Poznanski-beim-lesen

Es folgten ein paar Eckdaten zur Person von Frau Poznanski. Die bat darum, in eigenen Worten Band 1 und 2 ihrer aktuellen Dystopie-Trilogie „Die Verratenen“ zusammenzufassen. Wie sie selbst sagte, versuchte sie dies ohne zu viel zu Spoilern. Da ich bisher noch kein Buch aus der Reihe gelesen habe, war ich dafür sehr dankbar. Im Anschluss las sie aus dem neuen und letzten Band „Die Vernichteten“ vor. Ich konnte der Geschichte selbst nur schwer folgen, da mir einige Hintergrundinformationen (und vor allem Gefühle) dann doch fehlten.

Trotzdem war ich sehr angetan von der Geschichte und hätte am liebsten sofort los gelegt mit dem Lesen der Reihe. Ich finde die Autorin auch so unglaublich charismatisch. Während des Lesens zog sie einen in diese Welt. Und auch, als sie sich den Fragen des Interviewers stellte, hatte sie immer diesen Glanz in den Augen.

Es lässt sich nur schwer beschreiben, aber kurz gesagt, sie strahlt eine solche Freude aus. Im Vergleich dazu wirkt Kai Meyer immer sehr konzentriert, fast so als würde er alle Worte aufsaugen und Bilder und Szenen dazu im Kopf bauen. Das ist mir auch nur aufgefallen, weil ich mich auch auf ihre Ausstrahlung konzentriert hatte, ihrer Mimik und sowas. Ich weiß, bei einer Lesung nicht der zentrale Punkt. Aber irgendwie empfand ich es als wichtig, ihre Körperhaltung während der Lesung zu „interpretieren“. Was soll ich sagen, dass ist so ein Tick von mir.

Kleine Fragerunde mit Lesern und Signierstunde

Im Anschluss an die Lesung durften die Leser und Fans im Publikum Fragen an die beiden Autoren stellen. Nach einem Augenblick des Schweigens und der Zurückhaltung, ermutigten die drei Redner/Autoren dazu zu fragen, oder uns minutenlang in die Augen zu blicken – total theatralisch und so. Und so fand sich jemand, der die Fragerunde eröffnete. Es wurden Fragen zu Meyers neuem Buch „Die Seiten der Welt“ gestellt. Lob gegenüber Frau Poznanski geäußert, die einen unglaublich fesseln kann.

Auch ich traute mich eine Frage zu stellen. Darauf kam ich auch nur, weil ich mit Ira und Lisa zuvor drüber gesprochen hatte. Und zwar wird im englischsprachigen Raum der Thriller „Fünf“ übersetzt und dafür wurde der Name „Poznanski“ in „Archer“ umbenannt. Dazu hatte sie bereits auf Facebook ein Statement veröffentlicht, dennoch wollte ich wissen, ob es noch andere Gründe hatte. Bei der Findung der Antwort verloren sich Kai Meyer und Ursula Poznanski in einigen Ausschweifungen. In dem Zusammenhang erzählten sie ein wenig aus dem Leben zwischen Verlag und Autor. Und ungewollt hatte man ein paar Eindrücke über das Autorenleben im Hintergrund gewonnen.

Und wieder stellte ich fest, dass meine Entscheidung richtig war und der Eintritt (5 EUR normal, 3 EUR ermäßigt) gut investiert. Die beiden Autoren sind so unglaublich charmant und freundlich und … hach. Wäre ich Autorin, würde ich sie mir als Beispiel nehmen. Herrlich!

Ursula Poznanski beim Signieren

Das Ganze spiegelte sich auch am Ende der überzogenen Lesung wieder. Die beiden Autoren gaben noch Autogramme, nahmen sich die Zeit für jedes Buch und Foto. Und damit meine ich wirklich jedes Buch. Ich habe nämlich die neun Bücher ausgepackt (acht gekauft und eins von daheim mitgebracht). Da ich es persönlich schon fast dreist fand, habe ich mich selbst an das Ende der Schlange gestellt, das nicht länger das Ende bleiben sollte.

Geduldig und immer noch mit einem natürlichen Lächeln voller Freude im Gesicht signierte sie alle Bücher. Währenddessen musste ich einfach loben. Bereits bei den Buchmessen fand ich es faszinierend, dass sie nach 4-5 Tagen am letzten Messetag immer noch so strahlen kann. Und darauf antwortete sie nur, dass sie es auch super gerne macht. Das einzige was manchmal die Freude etwas trübt, wären die vollen Gänge, wenn man nicht mehr durch käme. Aber ansonsten liebe sie es einfach.

Das nennt man dann wohl „eine Autorin die mit Herzblut dabei ist“.

Fast im gleichen Atemzug ließ sie auch verlauten, dass sie auf der Frankfurter Buchmesse 2014 dabei sein wird und sich auf alle freut. Wir uns natürlich auch auf Sie, Frau Poznanski (aka Archer)!

Mein Fazit

Und wieder, ja das hat sich jetzt echt angehäuft, muss ich sagen: Wow. Das ist es auch, was mir am Ende der Lesung bleibt. Wir waren mit die ersten, die Vorort waren und die letzten, die blieben. Wir wurden quasi um 22:20 Uhr „rausgeworfen“, also nicht wirklich nur die Lichter wurden abgeknipst.

Der ganze Abend war ein einziges Wow-Erlebnis.

Bis dahin, bleiben die gewonnenen Eindrücke und das Versprechen, dass es nicht die letzte Lesung bleiben wird. Blut geleckt und so. Ach, und Lisa hat noch ein Beweisfoto gemacht (danke dafür!) von den vielen Büchern. Das sieht leichter aus, als es war. Schwerkraft und so, die sich voller Schadenfreude auf mich stürzte und sich auf die Bücher auf meinem Arm setzte.

Ich hoffe, dass ich euch einen kleinen Eindruck vermitteln konnte und nicht zu arg in Schwärmerei abgeschweift bin. Danke fürs lesen :)

Heffa mit einem Stapel voller Buecher so viele sie tragen kann