Seit mehr als drei Wochen lese ich nun an „The Diviners“ von Libba Bray. Einem Wälzer von 704 Seiten bei dem ich aktuell auf Seite 371 bin. Und dieses Buch war der Anlass dafür, dass ich über meine Abneigung gegenüber dicken (oder gar fetten) Büchern erneut nachdenke. Ich weiß, dass es als Buchjunkie und Buchblogger und überhaupt als Buchliebhaber, eine Schande ist, darüber überhaupt nachzudenken. Aber es beschäftigt mich ständig. Und das hat einige Gründe, warum ich mir dreimal überlege, ob ich ein 700 Seiten Wälzer oder ein 300 Seiten Roman kaufe.

Der Text darf durchaus ironisch verstanden werden. Was wäre das auch für eine Welt, wenn man nicht mal etwas kritisch-angehauchtes mit etwas Humor schreiben würde.

Ich freue mich am Ende im Übrigen auch auf eure Meinungen. Wie steht ihr zu dicken Büchern (ab 450 Seiten)?

1. Platzmangel wird durch dicke Bücher nicht besser

Meinen SuB habe ich lange nicht mehr gezählt, aber, dass er weit über 100 Bücher beherbergt, ist mittlerweile schon offensichtlich. Ich quetsche die Bücher in die Regale und freien Plätze. Und dann kommt ein neues Buch dazu. Ein 700 Seiten Buch. Und wo soll ich jetzt damit hin? In die eine Lücke dort drüben, passt leider nur noch ein 80g/m² Blatt.

Mein Schrank wackelt zwar leicht zur Seite, aber das Buch ist zu dick, um es als Keil umzufunktionieren. Bleibt mir nur noch andere Bücher zu vertauschen, -schenken oder zu verkaufen. Bei der dicke muss ich direkt drei normale Romane entfernen.

Mein Herz … es steht kurz still. Wie kann ich über so etwas auch nur nachdenken? Hm, nur wohin jetzt mit dem Buch. Im Kühlschrank ist noch etwas Platz. Es ist eh Ende des Monats, dann passt das ja. Und das Buch bleibt immer frisch.

2. Armmuskeltraining tut nicht immer gut

Am Abend gibt es nichts schöneres, als eine Stunde vor dem Einschlafen ein bisschen zu lesen. Wie soll man sonst dem gehetzten Tag entkommen? Aktuell lese ich ein etwas dickeres Buch. weit bin ich noch nicht, obwohl ich seit geraumer Zeit daran lese. Als ich es in die Hand nehmen will, zerdrückt es meine Brust und bekomme Atemnot.

Ach, was soll’s ich wollte eh mehr Sport betreiben, warum nicht mit Armmuskeltraining beginnen, indem ich das Buch mit beiden Armen in die Luft halte?

Das ich deswegen bereits seit einer Woche Muskelkater habe, ist nicht schlimm, der geht schließlich wieder weg.

3. Wenn die ersten 100 Seiten langweilig sind …

… schlafe ich halt und befehle meinem Körper das Buch unbewusst weiterzulesen. Wenn ich dann aufwache, bin ich zumindest schneller voran gekommen.

… oder ich freue mich schon auf die folgenden 600 Seiten, die bestimmt spannender werden, als die ersten 100 Seiten. 100 Seiten wären ja im Verhältnis zu einem normal gearteten Buch 30 Seiten. Da passiert in normalen Büchern schließlich auch nichts. Also was mache ich mir da einen Kopf, wenn ich dann an dem Buch 3 Jahre lese und die anderen Bücher im Regal in der Versenkung verschwinden.

Oder vom Krümelmonster geklaut werden, weil sie so lecker aussehen.

4. Ein unschlagbarer Preis, mit dem man sich gern erschlagen will

Neulich war ich wieder in der Buchhandlung. Also heute, vor ein paar Minuten. Eigentlich schon krass, dass die Preisspanne bei Büchern so unterschiedlich ist. Da gibt es Taschenbücher mit 800 Seiten für 9,99 EUR. Im Vergleich dazu Broschüre/Softcover, die ja im Grunde auch nur Taschenbücher sind, mit 350 Seiten und kosten 14,99 EUR.

Hardcoverbücher mit 450+ Seiten beginnen bei 16,99 EUR und gehen bis fast 30 EUR (im Belletristik-Bereich, ich weiß, dass es andere Bücher auch für mehrere Hunder Euro zu kaufen gibt).

Beim einen Verlag bezahlt man 17,99 EUR für 800 Seiten, beim nächsten für 500 Seiten 19,99 EUR und der gleiche Verlag verkauft dann auch gerne Hardcover von etwa 600 Seiten für 26,99 EUR.

Mein Geldbeutel freut sich, und mein Verstand versteht diese Preis-Politik nicht. Egal. Ich will das Buch haben, mir egal wie viel es kostet. Wobei … erst einmal gucken, ob jemand in einer Tauschgruppe das Buch für 10 EUR verkauft oder ich im Mängelexemplar-Laden um die Ecke das Buch nicht auch günstiger bekomme. Von daher … mein Problem ist gelöst. Was mit den Verlagen in dem Moment passiert … mir doch egal.

5. Zeit ist kostbar, ich sollte sie vom Buchpreis absetzen (oder von der Steuer)

Ich bin ein langsamer Leser. Mein WpM-Wert (Words per Minute) liegt bei etwa 180. Das ich dann für 100 Seiten drei Stunden benötige, pah, wen kümmert das. Ich genieße die Wörter halt mehr, als jemand, der das Buch mit 330 WpM liest und damit für 60 Seiten nur 1/3 der Zeit benötigt, wie ich.

Wobei … wenn ich mir überlege, ich lese ein 700 Seiten Buch. Bei der Lesegeschwindigkeit sitze ich vermutlich 2 Monate an dem Buch, wenn ich jeden Abend nur eine Stunde lese. Das kostet sehr viel Zeit und außerdem verliere ich so Zeit, auch andere Bücher zu lesen. Ich bin für eine Aufwandsentschädigung und werde diese verschwendete Zeit demnächst beim Finanzamt absetzen. Vielleicht als Werbungskosten, ich mach mit dem Buch ja anschließend sowieso Werbung, abwegig ist das also nicht.

Mein Vorschlag für Verlage: Langsame Leser sollten weniger für dicke Bücher bezahlen, weil sie mehr Zeit dafür investieren. Oder muss man das andersherum rechnen, weil schnellere Leser weniger Zeit mit dem Wert des Buches verbringen? Himmel, das ist verwirrend. Ich bin generell dafür, dass dicke Bücher einfach verschenkt werden. Und dünne ebenso. Einen Zeitumkehrer hätte ich auch gern, damit ich die Zeit für andere Bücher nicht verliere.

Mir egal, dass ich dann gegenwärtig eigentlich in meiner Vergangenheit lebe und die Zukunft nie passiert. Verstehste?

6. Dicke Taschenbücher sollten unzerstörbar sein

Heute fahre ich mal wieder eine Weile mit Bus und Bahn durch die Gegend. Um mir meine Langeweile etwas zu verkürzen, habe ich eine geschlagene Stunde überlegt, welches Buch ich mitnehmen soll. Das angefangene 700 Seiten Buch ist ein Hardcover und viel zu schwer. Also fiel die Wahl am Ende auf das 800 Seiten Taschenbuch. Glaub ja nicht, dass das eine leichte Entscheidung war, ich meine, ich habe dazu immerhin eine Stunde benötigt.

Bei dreimal umsteigen und gefühlt 100 Leuten, die meine Taschen streifen und anrempeln müssen, freue ich mich, wenn ich die wenigen Minuten der Fahrt im Stehen mit dem Lesen verbringen kann. Dass das Taschenbuch mittlerweile aussieht, als wäre es aus einem Hochhaus geworfen und dabei von einem Schwarm Krähen attackiert worden, tut nichts zur Sache.

Ich stehe schließlich drauf, wenn Bücher gelesen aussehen. Und weil ich dahinter stehe, mach ich noch ein Eselsohr rein, weil ich im Zeitstress das Lesezeichen vergessen habe.

Die Leserillen stören mich auch gar nicht, wenn ich bei der Hälfte bin und die Seiten der Schwerkraft nicht trotzen können und einfach wegbrechen. Die sehen doch super im Regal aus.

Ein bisschen Ironie meets ein bisschen Wahrheit

Und jetzt mal im Ernst. Manchmal schrecken mich dicke Bücher wirklich ab. Vor allem, wenn der Start etwas holprig war. Wenn ich dann nach drei Wochen gerade einmal bei der Hälfte angekommen bin, frustriert mich das schon ziemlich. Ich hoffe dann immer, dass das Buch bitte noch spannend werden möge, sonst ärgere ich mich noch mehr, dass ich so viel Zeit hineingesteckt habe.

Auf der anderen Seite freue ich mich, wenn Lieblingsautoren oder -reihen mit einem neuen Band herauskommen. Egal wie dick der „Schinken“ ist, ich muss ihn lesen und erfreue mich, dass ich noch so viel mehr Geschichte zu den Charakteren finde.

Dicke Bücher sind tatsächlich ein Streitthema, führen nicht selten zur inneren Diskussion (sei es aus Platzgründen, Zeit- oder Geldmangel) und können einen wahrlich in eine tief-depressive Leseflaute katapultieren.

Nachtrag: Einer der Gründe, warum ich unterwegs lieber eBooks lesen mag, weil das weniger Platz wegnimmt. Aber man kann auch schlecht zig Bücher anfangen, nur weil es gerade platztechnisch nicht passt, oder?

Was ist eure Meinung?

Macht ihr den Kauf eines Buches davon abhängig, wie „fett“ der „Wälzer“ ist oder ist euch das total egal?
Gibt es Moment, wo ihr abwägt, ob ihr ein dickes oder dünnes Buch lest?

Ich bin auf eure Meinungen gespannt! Vielleicht schreibe ich dann noch einmal einen Beitrag über eure Meinungen, falls sich überhaupt jemand traut etwas dazu zu schreiben :P