Der nachfolgende Text ist etwas Persönliches. Etwas, das vielleicht keinen Sinn ergibt. Das ist okay. Aber ich musste es schreiben; es sagen, sonst explodiere ich noch unter dem Druck, „diese Sache“ weiter mit mir zu schleppen. Und man soll für das neue Jahr schließlich alte Lasten abwerfen, nicht wahr?

Bekanntlich können besondere Erinnerungen, Gefühle und Erlebnisse am besten in Gedichte oder Texte verfasst werde. Ich würde gern einen Song schreiben, aber ich kann keine Noten lesen und auch kein Instrument spielen. Aber wenn, dann wäre es ein Post-Hardcore-Metal-Song.

Warum? Weil man da so schön schreien kann.

Ironischerweise kam mir die Idee dazu, als ich sehr kreative Songs einer relativ unbekannten Band gehört habe. Tonbandgerät haben irgendwie genau solche Songs geschrieben, die für diese Situation passen. Und wie sie so schön in „Halbmond“ (Musikvideo) besingen:

„Bei mir ist seit Monaten Halbmond.
Die andere Hälfte hast du mitgenommen.
Vielleicht nicht mit Absicht.
Vielleicht ist sie einfach, mit dir mitgekommen.
Und das ist schon ok, denn wo immer du bist,
soll der Mond ja auch scheinen, damit es nicht so dunkel ist.
Für immer nur Halbmond,
die andere Hälfte hab ich mit dir verloren“
[4]

Ich bin müde

Heffa Fuzzel

Schon zu lang quälen mich Gedanken. Sie begannen irgendwann mit einer Nachricht, die eine Antwort bekam, welche alles verändern sollte. Ich habe es satt, dass sie ständig in meinem Kopf herum schwirren. Sie belasten meine Träume und meine Gefühle. Die Welt geriet seither ins Wanken. Spürst du das denn nicht?

Welche Macht Worte haben, sollte dir deine Lehrerin, doch schon vor Jahren gelehrt haben. Aber diese Unterrichtsstunde hast du verschlafen; verpasst, weil es andere Dinge gab, die du interessanter fandest. Dennoch hast du wegen dieser Frau begonnen das zu tun, was du heute tust: mit Worten um dich zu werfen.
Zu gerne würde ich darüber sprechen. Mit dir darüber sprechen. Doch es geht nicht. Die Angst, dass der Spalt noch größer wird, ist zu groß. Mein Stolz, der zu sehr zerrissen ist.

Dabei ist die Schlucht, die beide Seiten trennt, mittlerweile so groß, dass man sie gar nicht mehr überwinden könnte. Sie könnten sich gegenseitig annähern, aber wie soll das gehen, wenn sie sich zeitgleich weit voneinander entfernen.

“Sind wir das, oder haben wir uns, irgendwo auf dem Weg verloren?
Sind wir das, oder wann ist aus uns, für immer ernst geworden?
Ich hab Angst, mich zu verlier’n
Ich hab Angst, dass ich nichts seh’, wenn ich abends vor dem Spiegel steh’” [1]

Es ist ein Kreis, der kein Ende nimmt. Egal, wie nah man sich kommt, ist die Entfernung grenzenlos weit. Die Spuren, die dieses endlose Gerenne hinterlassen, bilden Narben, die immer wieder aufreißen.

Ich laufe hinter dir her. Für dich ist alles klar und verblasst mit der Zeit. Mich quälen die Schatten, die geworfen werden; die mir den Blick verdunkeln. Gerate ich ins Stolpern, bemerkst du es nicht. Du glaubst, alles sei wieder okay.

Ist es nicht.

Mir tut es leid. Ich wollte das nie. Aber es hat nie gereicht. Wird es niemals und du weißt es noch nicht einmal. Ich quäle mich mit der Last der Welt. Mit dem Schmerz den andere leben. Das Gewicht dieser Veränderung verschiebt die Schwerkraft. Sie zieht am Ende; zerdrückt den Anfang.

“Pain, make your way to me, to me
And I’ll always be just so, so inviting
If I ever start to think straight
This heart will start a riot in me
Let’s start, start, hey” [2]

Welche Farbe trägt dieses Gefühl, erinnerst du dich? Farben sind bedeutungslos, du absorbierst sie jetzt ständig. Veränderst dich, während ich hier stehe und nicht voran komme.
Was auch immer dich niedergerungen hat, ich war da. Wann auch immer du nicht weiter wusstest, ich war da.
Ich war das Kissen, in das du geweint hast. Der Boxsack in den du geschlagen hast, ohne selbst Schaden zu nehmen. Sorgen sog ich in mir auf, nur weil es unter Freunden so ist.

Es hatte nicht gereicht. Ich hätte es sehen sollen. Die Menge war nie genug, das hätte ich wissen sollen. Aber ich wollte nicht.

So ist das nun mal. Unter Freunden.
Damals. Früher. Zu einer anderen Zeit. In einer anderen Welt.

So war es einst. Als wir noch Freunde waren.

“Wo wir waren, wo wir bleiben
wird niemals Geschichte schreiben.
Wir bauen uns Stück für Stück,
Stück für Stück,
die Zukunft zurück.” [3]

Nun bin ich zu müde.
Zu kraftlos, um mich weiterhin den Kämpfen zu stellen, die du nie bestreiten wolltest. Zu schwach, um weiter in deinem Schatten zu laufen.

Meine Nachricht. Deine Antwort. Sie hat mich getroffen. Vermutlich weißt du noch nicht einmal, wie tief. Ich war dein Sprungbrett, das dich hinauf geschossen hat, und du hier unten zurück gelassen hast.

Ich könnte dir alles Schlechte wünschen. Aber das kann ich nicht. Das will ich nicht.

Schmerz trifft einen nur, wenn es einen wunden Punkt gibt. Diesem Punkt hast du deinen Daumen aufgedrückt, nur aus Spaß. Immer und immer wieder. Weil du nun mal so bist.

Ich hoffe, du siehst den Boden unter deinen Füßen bald wieder, denn dein Höhenflug verletzt alle Menschen um dich herum. Doch du merkst es nicht. Erklären kann ich es dir nicht mehr, denn mir hast du dich bereits vor Monaten entzogen.

Du fehlst mir.


[1] – “Hirngespenster” by Tonbandgerät; Writer(s): Sophia Poppensieker; Copyright: Edition Musikvomband
[2] – “That’s what you get” by Paramore; Writer(s): Josh Farro, Hayley Williams; Copyright: Fbr Music, But Father I Just Want To Sing Music, Josh’S Music, WB Music Corp.
[3] – “Wir bauen” by Tonbandgerät; Writer(s): Sophia Poppensieker; Copyright: Edition Musikvomband
[4] – „Halbmond“ by Tonbandgerät; Writer(s): Sophia Poppensieker; Copyright: Edition Musikvomband