»Du musst nur fest daran glauben, dann schaffst du es auch! Sag niemals: >Ich kann das nicht<!«

Das ist einer der Sätze, der mich bereits mein ganzes Leben begleitet. Am häufigsten hat ihn meine Oma (mütterlicherseits) zu mir gesagt. Doch in den letzten Wochen und Monaten ist so viel geschehen. Manchmal dachte ich daran, einfach aufzugeben. Alles wegwerfen und vergessen, was die letzten fünf Jahre geschah. Doch dann sorgte ein Schicksalsschlag dafür, dass ich aufwachte.

Ich kann und darf nicht mehr weglaufen. Zu sagen, ich kann es ja doch nicht und die Dinge ewig in die Zukunft zu verschieben, wird mich auf Dauer auch nicht weiterbringen.

Mein Blog verwahrlost, weil ich nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht. Meine Freizeit verbringe ich entweder im Training oder mit dem Lernen. Nur nicht darüber nachdenken, was geschehen ist oder wird.

World of Chances Quote

Im Juni verstarb meine Oma väterlicherseits. Ich hatte seit knapp neun Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr und trotzdem traf es mich. Meine Schwester und ich wurden nicht einmal zur Trauerfeier eingeladen.

Am schlimmsten jedoch war der 08. Juli. Es war morgens gegen halb sechs, als ich plötzlich wach wurde. Vielleicht von der Hitze. Irgendwie hatte ich ein flaues Gefühl im Magen. Kurz darauf klingelte plötzlich mein Telefon. Mein Opa mütterlicherseits verstarb am Abend zuvor. Ich konnte es nicht glauben. Am liebsten wäre ich sofort heimgefahren. Doch ich konnte nicht. Zum einen finanziell gesehen, aber auch, weil ich Prüfungen hatte, die vorbereitet werden musste.

Ich suchte Ablenkungen. Mein Körper begann die Informationen zu verdrängen. Er wollte nicht akzeptieren, was ich bis heute nicht verstehe. Aus dem Leben geschieden. Plötzlich und ohne Vorwarnung. Ich weiß noch, wie ich an dem Tag geschockt zur Uni und zum Training ging und mich fragte, warum die Menschen denn nicht merkten, dass die Welt einen Menschen verloren hat. Einen wichtigen Bestandteil meines Lebens. Alles schwankte und drehte sich falsch herum. Da musste ich an einen Song von Glashaus denken, den ich wenige Tage zuvor auf einem Geburtstag mit Singstar gesungen habe.

Eine Woche später fand die Trauerfeier statt. Einen Tag nach dem Geburtstag meiner Schwester. Erst da realisierte ich, dass es doch kein Traum war. Menschen zu sehen, die auf verschiedenste Art und Weise mit meinem Opa verbunden waren. Zu sehen, wie unterschiedlich Menschen trauern. Es zerreißt mir noch immer das Herz. Du fehlst. Ich begann alle Erinnerungen und Gedanken an ihn aufzuschreiben. Noch immer habe ich Angst, wenn ich das nicht tue, würde ich ihn eines Tages vergessen. Doch ich will ihn nicht vergessen.

Zu viele Bücher und Filme habe ich gelesen und gesehen, in denen Menschen andere Menschen verloren. Vielleicht eine Erklärung dafür, dass mir kurz danach immer wieder Szenen und Zitate ins Gedächtnis kamen. Sie passten, obwohl sie oft zu ironisch schienen, leider.

In Titanic sagt die Oma Rose, dass sie von Jack nicht einmal ein Foto besäße, er lebe nur noch in ihrer Erinnerung. Was mich als Kind daran immer so traurig gemacht hatte, war die Tatsache, dass ich genau wusste, dass sie die einzige ist, die sich an Jack erinnern kann. Sie hatte als letzte Überlebende die Erinnerung an ihn. Wenn sie starb, starb auch er für immer.

In The fault in our stars/Das Schicksal ist ein mieser Verräter, spricht Augustus davon, dass er Angst davor hat, vergessen zu werden. Hazel beschwichtigt ihn, dass das Vergessen werden unvermeidbar wäre. Später erzählen sie davon, dass die Beerdigungen nicht für die Toten sind. Sie sind für die Hinterbliebenden, um Abschied zu nehmen.

Das alles machte mich traurig, aber auch dankbar. Ich besitze Erinnerungen an wunderbare Menschen, die mein Leben lebenswerter machen. Und nur, weil das Vergessen werden unvermeidbar ist, heißt es ja nicht, dass ich die Person vergesse. Solange sie tief in meinem Herzen einen Platz findet, wird sie mich immer begleiten. Egal, wohin mich mein Weg auch führen mag.

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Am Sonntag, 19.07. fuhr ich morgens mit dem Team nach München zu unserem ersten Auswärtsspiel. Ich widmete es meinem Opa. Er klang immer so freudig, wenn ich wieder etwas vom Training oder den beiden Spielen berichtet hatte. Das Spiel gewannen wir klar und deutlich als überliegendere Mannschaft.

Die Tage darauf widmete ich mich wieder meinen Prüfungen. Am Mittwoch hatte ich meine vorletzte Prüfung. Trotz Nervosität im Vorfeld, erreichte ich zu meiner Überraschung eine 2,0. Bestanden. Meine letzte, allerletzte Prüfung vor der Thesis steht nun bevor. Die Prüfung, die mir am meisten meine Zukunft zerstören kann. Doch nur ich habe es in der Hand, na ja, abgesehen davon, dass der Prof die Aufgaben zusammenstellt.

Warum mir diese Prüfung so viel Angst bereitet? Sie ist meine allerletzte, leider aber auch im letzten Versuch. Bestehe ich die Prüfung, habe ich nur noch ein Semester vor mir, in dem ich mich auf ein Thema für meine Abschlussarbeit (Thesis) beschränken kann. Bestehe ich sie nicht, werde ich exmatrikuliert, die letzten fünf Jahre waren quasi umsonst und habe keinen Abschluss (abgesehen von meinem Ausbildungsabschluss von vor sechs Jahren). Es macht mich ein wenig nervös und ich neige ab und an zu glauben, ich müsse sie schieben.

Lernen sucks

Aber ich will sie nicht schieben. Das wäre nur ein Aufschieben des Unvermeidbaren. So viele Menschen in meinem Umfeld sagen mir, dass ich es schaffe und mir keinen Kopf machen soll. Aber was sollen sie auch sonst sagen? Niemand würde zu dir kommen und sagen: Hey, du hast es eh nicht drauf, also lass es. Dann denke ich daran, dass ich keinen Bock mehr darauf habe, zu lernen oder zu studieren. Es hat mich zunehmend kranker gemacht und ich will dieses Kapitel endlich abschließen.

Das bedeutet auch, dass ich die Zeit, die ich gerade für diesen sehr langen Blogpost investiere, zum Lernen hätte nutzen sollen. Aber zwischendurch braucht man eine Pause und eine Plattform, auf der man seine Gedanken los werden kann. Das habe ich die letzten Wochen und Monate sehr vermisst.

Gestern hatten wir unser letztes Vorrundenspiel in Stuttgart und gewannen grandios mit 50:6. Wir ziehen somit ungeschlagen als Südmeister der 2. Damenbundesliga ins Halbfinale ein! Das Team und der Sport sind mein Ventil, um Frust und Aggressionen Luft zu machen. Sie gleichen mich aus, machen mich glücklich und ich bin stolz darauf, Teil dieses Teams zu sein.

Meine Oma sagt immer: »Du musst nur fest daran glauben, dann schaffst du es auch! Sag niemals: >Ich kann das nicht<!«

Und ich glaube daran, dass ich es schaffen werde. Egal wie. Die Welt ist voller Chancen und Möglichkeiten, die wir ergreifen und bewältigen können.