Ich habe euch ja nach meiner halbstillen Rückkehr versprochen, mal etwas über mein Studium zu berichten. Nehmt euch ein wenig Zeit, denn ich habe beschlossen, dass alles etwas aufzusplitten. Ganz genau in 12 Teile, da mein Studium eben so lang angedauert hatte und in der Zeit sehr viel passiert ist. Neben dem Studium selbst werde ich euch auch berichten, was ich abseits von Vorlesungen und Lerngruppen getrieben habe. Vorab: Ich war, bin und werde keine dieser Party-Studenten sein. Aber fangen wir am Anfang an, der Weg zum Studium und nach Wiesbaden.

Halli Hallo,

nun bin ich seit 18.08.2010, 10:53 Uhr offiziell an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden für den Studiengang „Medieninformatik“ (nicht zu verwechseln mit der „Allgemeinen Informatik“) eingeschrieben.

Das war tatsächlich eine E-Mail von mir (rechtschreiblich etwas verbessert), nach dem ich mich für meinen Studiengang eingeschrieben hatte. Damals war ich nämlich noch hoch motiviert, Freunden und meiner Familie regelmäßig über mein Leben als Studentin zu schreiben. Nach Durchsichten dieser ganzen E-Mails musste ich fast etwas schmunzeln, ich empfand das Studium damals als ein großes Abenteuer. Gut, ich war auch gerade mal 21 Jahre alt, hatte die erste Ausbildung gerade erfolgreich abgeschlossen und ein halbjähriges Praktikum in einer Werbeagentur hinter mir.

Eigentlich wollte ich auch nie studieren (und auch nie in den „bösen Westen“ umziehen, aber das ist eine andere Geschichte). Mit 14 Jahren hatte ich zwar mal die fixe Idee Englisch zu studieren, aber da mir lernen einfach nicht lag und ich während der Abi-Zeit einfach schon keinen Bock mehr auf den Kram hatte, verwarf ich diese Idee sehr schnell wieder. Ich genoss eine gestalterische Ausbildung, die ich erfolgreich im Juni 2009 abschloss. Nach erfolgloser Jobsuche, entschied ich mich ein unbezahltes Praktikum in einer Werbeagentur zu machen, welches mich auf mein Studium vorbereiten sollte. Ende 2009 stand also fest, dass ich studieren würde. Sorry, für den kurzen Zeitsprung.

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Während der Ausbildung hatten wir einige Fotokurse, bei denen u.a. solche Fotos entstanden sind. Wenigstens sind Mütze und T-Shirt einheitlich.

Im Juni 2010 hatte ich die Chance mich für den Studiengang „Kommunikationsdesign“ an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden eine Woche lang als würdig zu erweisen. Nach diversen Einstellungstests zuvor, wusste ich bereits, dass es alles andere als einfach werden würde, in einen solchen Elite Studiengang rein zukommen.

Moment. „Kommunikationsdesign“? Habe ich nicht „Medieninformatik“ studiert? Jab, eigentlich wollte ich tatsächlich „Kommunikationsdesign“ studieren. Dass ich doch sehr unkreativ für diesen Studiengang war, stellte sich recht schnell raus, als mir eine Absage nach der anderen ins Haus schneite.

Okay zurück. Im Juni 2010 war ich das erste Mal in Wiesbaden. Während dieser Einstellungswoche lernte ich in der Jugendherberge sehr viele Menschen kennen. Das Wetter war geil. Es bestätigte sich das, was ich bereits während meiner ersten Fahrt nach Frankfurt/Main intuitiv fühlte: Ich will nach Wiesbaden und hier studieren. So bewarb ich mich noch auf andere Studiengänge in Wiesbaden. An dem Tag (ich werde ihn nie vergessen), als ich mich gerade für einen Studiengang in Friedberg (Hessen) einschreiben wollte, kam die einzige Zusage eines Studiengangs aus Wiesbaden. Es stand fest: Ich würde „Medieninformatik“ in Wiesbaden studieren. Wer hätte das noch Jahre zuvor gedacht?

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2009 auf dem Bundestag-Tag in Berlin zog es mich bereits nach Hessen, als hätte ich die Zukunft bereits erahnt.

Die Wohnungssuche war eine Katastrophe. In einem kleinen beschaulichen Städtchen irgendwo am Rand der Welt, ist sowas wie Wohnungsmangel oder unbezahlbare Wohnungen wie eine Fremdsprache, die niemand versteht. In meinem Irrglauben dachte ich, wenn ich zwei Wohnungen anschauen würde, würde ich schon was finden. Als bei der ersten Wohnung plötzlich 10 Leute dabei waren, lernte ich zum ersten Mal das eben beschrieben Problem kennen.

In Wiesbaden eine bezahlbare Wohnung für Studenten ohne wirkliche Einkünfte zu finden, die keinen Bock auf WG haben: zu 98% unmöglich. Nebenbei lief eine Anfrage für das Wohnheim, bei dem selbst hier die Nachfrage so groß ist, dass man nicht mit Sicherheit einen Platz bekommen würde. Zwei Wochen vor meinem Umzug stand plötzlich alles auf der Kippe. War es das mit dem Traum vom Studium in der fernen Großstadt?

Am 17. September 2010 zog ich nach Wiesbaden. Ins Wohnheim, das mir eine Woche vorher eine Zusage geschickt hatte. Zwei Autos waren voll gepackt knapp 600 km unterwegs von Tangermünde nach Wiesbaden. Ein fast Unfall kurz vor Frankfurt/Main morgens um ca. 9 Uhr, sollte uns den ersten Schrecken einjagen (einer dieser Moment, weswegen es mir oft schwer fällt, in Autos zu steigen und den Autofahrern zu vertrauen, dass nichts passieren wird). Ich glaub für meinen Opa war es damals eine der letzten weiten Autofahrten. Warum diese Erinnerung besonders schmerzt, werdet ihr vielleicht im vergangenen Jahr mitbekommen haben, ansonsten auf jeden Fall in den nächsten Teilen erfahren.

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Revolverheld. Für lau. Auf dem Stadtfest in Wiesbaden 2010

Nach dem meine Mum, Oma und Opa abgereist waren, musste ich langsam ankommen. Das erste Mal so richtig, richtig weit weg von der Familie. Ich brach in Tränen aus. Vor Freude. Vor Sehnsucht. Die ersten Tage waren sehr seltsam. Nach dem ersten Wochenende (ich war tatsächlich gerade erst zwei Tage in Wiesbaden, wobei die Heimweh-Anfälle weniger wurden), kam eine Mitbewohnerin aus der Heimat. Wie sich später herausstellen sollte, kam sie aus Halle/Saale, quasi ein Stück Heimat. Mit ihr sollten die zwei folgenden Jahre eine grandiose WG-Zeit werden.

Am 24. September 2010 traten Revolverheld beim Stadtfest auf; mein erstes Konzert in Wiesbaden. Es hätte mich schlechter treffen können. Mein zweites Revolverheld Konzert, hatte ich sie doch bereits 2006 das erste Mal in meiner Heimatstadt gesehen (das Handtuch von einem Bandmitglied besitze ich noch heute!). Es war mein erstes Konzert, bei dem niemand dabei war, den ich kannte. Ein seltsames Gefühl zwar, aber ohne diese Erfahrung, wären mir unzählige folgende Konzerte entgangen.

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Der Wiesbadener Kurpark im herbstlichen Kleid zeigt sich von seiner fotogenen Seite.

In meiner ersten Woche hatte ich einen Mathe Einführungskurs, der das erste Mal hat Zweifel aufkommen lassen. Doch der erste Studientag des ersten Semester sollte im Oktober folgen. Im Vorkurs traf ich auf zwei Mädels, die später Teil einer 5er-Truppe wurden, die mich durchs Studium begleite sollte. Das Heimweh und die Angst, „keine neuen Leute kennenlernen zu können“, waren minimiert, fast verschwunden. Ja, ich war langsam angekommen, in Wiesbaden.

Es sollte die Zeit meines Lebens werden.

Im Übrigen gibt es auch einen Song, der mich an die Zeit im Juni 2010 erinnert: „Waka, Waka“ von Shakira. Warum? Da an meinem letzten Tag in der Jugendherberge, als alle bereits weg waren, die Fussball WM 2010 begann.