Ich versuch immer noch meine Gedanken zu ordnen. Am Dienstag-Mittag erfuhr ich auf Facebook (08.08.2016), dass eine meiner Lieblingsbands Luxuslärm mit Ende 2016 das letzte Mal gemeinsame Wege gehen würden. Ab 2017 kein Luxuslärm mehr. Es fällt mir ein bisschen schwer und ich möchte mit diesem Beitrag eine kleine Erinnerung schaffen, an eine Band, die immer für die Musik gelebt hat. Es passt, tragischerweise, dass ich parallel dazu meine Studium-Reihe habe, denn Luxuslärm ist eine Band, die mich mit Beginn des Studiums begleitet hat, und nun leider auch, mit meinem Ende des Studiums, neue Wege bestreiten wird.

Musikalisch bewegend

Es war der Musiksender Viva, irgendwann Anfang 2010, der mich damals das erste Mal auf eine ungewöhnliche Band aufmerksam gemacht hat. Ich war gerade in der Phase, mich für ein Studium zu bewerben und arbeitete nebenbei in einer örtlichen Werbeagentur. Plötzlich tauchte da dieses Lied auf … es fesselte mich sofort. Das Video faszinierte mich mindestens genauso. Der Song hieß „Sag es wie es ist“ von der Band Luxuslärm. Auf der Arbeit summte ich den Song in meinem Kopf immer wieder. Er ließ mich nicht los.

Zum Geburtstag bekam ich meine erste Luxuslärm CD, „So laut ich kann“, geschenkt. Sie lief in Dauerschleife. Einer meiner absoluten Lieblingssongs („Leb‘ deine Träume“), ist aus der Feder von Luxuslärm und stammt ebenfalls von dem Album. Er ist ein Beispiel für die tiefgründigen Texte der Band, die in vielen Momenten des Lebens tröstend sein können. Und ich habe viele dieser Songs aufgesogen und im Herzen gespeichert.

2011 erschien das bis dato dritte Studio-Album „Carousel“. Das Albumcover so wie die Tour zum Album waren wie ein Rummel aufgebaut. Es wurde Popcorn verteilt, während das Publikum Rittersport oder Haribo der Band entgegen warf. Das war natürlich Absicht, denn Schuld daran ist der Song „Mehr Gewicht“, in dessen Video der bereits verstorbene Dirk Bach mitspielen durfte. Der Song wurde gemeinsam mit der Band Culcha Candela aufgenommen. Sie nahmen sich nie zu ernst; sich selbst nicht und auch den Rest der Welt verarbeiteten sie in Songs, die noch immer stark bewegen.

„1000 Kilometer bis zum Meer“„Vergessen zu vergessen“„Atemlos“„Irgendwo da draußen“„Nur einmal im Leben“„Nach einer wahren Geschichte“ … so viele Songs, die mich mit besonderen Menschen in meinem Leben verbinden: der Familie, der besten Freundin. Es sind diese Songs, die die Band unsterblich werden lassen. Vielleicht nicht für jeden, aber für mich. Sie haben mir so viel Kraft gegeben.

In den nächsten Jahren verfolgten mich immer wieder die Songs der Band. 2011 erfolgte der erste Umbruch in der Band, als drei der fünf Gründungsmitglieder aus der Band ausstiegen. Die Band um Janine „Jini“ (Gesang) und Jan (Schlagzeug) machte mit drei neuen Musikern weiter. Ich legte mir das erste Luxuslärm-Album zu und so wurden auch die alten Songs der Band zu Songs, die mich während des Studiums begleiten sollten. Auch die beiden Alben unter Universal Music im Jahr 2014 (Alles was du willst) und 2016 (Fallen und Fliegen), zählen zu jenen, die ich in besonderen Momenten, in der Bahn oder einfach zum Entspannen oder Nachdenken höre.

Luxuslärm wollten 2016 Deutschland beim ESC vertreten. Es wäre die wohl größte Ehre gewesen, obwohl der derzeit schwierigen Situation Deutschlands in Europa. „Solange Liebe in mir wohnt“, sollte die Menschen in Europa zu Punkten für unser Land bewegen. Leider scheiterte die Band im Vorentscheid. Bereits 2012 vertrat die Band Deutschland. Na ja, fast, denn sie vertraten das Bundesland Nordrhein-Westfalen beim Bundesvision Songcontest. Dort belegten sie Platz 4; ein unglaublicher Erfolg für die Band. Ihre Alben, ausgenommen dem ersten, landeten alle unter den Top 20, die drei letzten sogar in den Top 10 der deutschen Albumcharts [1], die Single-Auskopplungen waren in den Top 100 („Mehr Gewicht“ mit Platz 56 als bestplatzierter Song der Band) [1].

Vielleicht hätte man, gerade mit der Bezeichnung, des letzten Album etwas erahnen können. Es ist vielleicht auch nur ein tragischer Zufall (und sehr viel eigene Spekulation und Interpretation), dass das aktuelle, letzte Album Fallen und Fliegen heißt. Aber so traurig es klingt, die Musik wird bleiben, egal, wohin die Wege der Bandmitglieder führen werden.

Live gelebt

Möglicherweise ist diese Band nicht der Allgemeinheit bekannt, aber denen, die sich intensiver mit Musik beschäftigen ein Begriff. Was mich an dieser Band vor allem begeistert hat, waren nicht nur die Texte, oder die Mitglieder. Als ich 2012 das erste Mal auf einem Konzert der Band in Mainz war, habe ich mich verliebt. Ich war bis dahin auf sehr, sehr vielen Konzerten und habe selten Musiker erlebt, die auf die Bühne kommen und die Musik leben, die sie spielen. Es ist kaum mit anderen Bands zu vergleichen und auch so nur schwer zu beschreiben. Man hörte nicht selten: „Du musst auf ein Konzert gehen, um zu verstehen.“ Sie nahmen das Publikum ein, egal welche Altersgruppe, egal welches Geschlecht. Jeder tanzte mit, machte mit und vor allem war und ist die Fangemeinde dieser Band so unfassbar, dass sie mich als „Gelegenheits-Konzertbesucher“ immer wieder auf den Konzerten beeindrucken konnte.

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Die Konzerte waren wie ein großes Familientreffen. Dabei war es egal, ob man die Band schon länger kannte, oder nicht; ob man ihr nachreiste, oder das erste Mal live sah. Die Musik und die Liebe zum live spielen standen im Vordergrund. Man merkt es mir vielleicht an, aber es war immer ein Erlebnis diese Band live zu sehen. Nach der Nachricht heute schmerzt es noch mehr, dass ich Anfang des Jahres, trotz gekauftem Ticket, nicht zu dem Konzert in Frankfurt konnte. Hätte ich gewusst, dass es das letzte sein würde … aber hätte, hätte Fahrradkette. Und so bleiben mir die Erinnerungen an eine Band, die musikalisch, live und menschlich einfach eine Ausnahme bleiben wird. Eine sympathische Band, die der Musikszene noch so viel hätte beibringen können. Und um es mit den Worten der Band zu sagen:

Es kommt mir vor als wär‘ es gestern;
schon ganz schön lange her.
Und ich hör‘ die alten Lieder;
ich dreh‘ voll auf, voll auf. (…)

Yeah, yeah, yeah wir waren so am Start.
Mehr, mehr, mehr und wie ist doch scheiß egal.
Yeah, yeah, yeah wir brauchten keinen Plan, das war so groß so geil,
so könnte es immer sein,
immer sein.
Und wenn ich unser Lied hör, dann ist alles wieder da
und wir schwören uns auf ewig, für immer, immer so zu sein.

© 2014 Luxuslärm
© 2014 DieOpposition GbR, under exclusive license to Polydor/Island, a division of Universal Music

Danke, für jedes Gummibärchen, jede Packung Popcorn, die ihr von der Bühne zu uns geworfen habt. Danke für jeden Muskelkater und jede Schweißperle, die wir bei jedem Sprung, jedem Tanzschritt in der stickigen Konzerthalle mit euch erleben durften. Ihr werdet als Band fehlen, eure Musik wird bleiben. Dennoch wünsche ich euch auf euren neuen Wegen, für eure Zukunft, alles Beste der Welt. Danke, dass ihr mich musikalisch in den letzten Jahren begleitet habt, für jeden Text, der mich noch heute zu Tränen rührt oder an besondere Momente meines Lebens erinnern wird.

Yeah, yeah, yeah, so könnt es immer sein.


[1] Quelle: wikipedia.org