2003, als ich das erste Mal Songs der Band Good Charlotte gehört habe, hätte ich niemals gedacht, dass ich 13 Jahre später plötzlich in mitten von Fans eben dieser Band stünde und zu den Songs von eben genau diesen abgehen, mitsingen, mittanzen würde. Das einzige Deutschland-Konzert von Good Charlotte sollte im Palladium in Köln statt finden. Es war ein überraschendes und doch zu erwartendes Konzert.

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Das Konzert

Bereits nach der ersten Vorband Big Jesus (ich kam leider erst kurz vor dem Auftritt der zweiten Band an) waren die Merchandising Artikel (hauptsächlich T-Shirts) größtenteils ausverkauft. Draußen war es sommerlich warm, im Palladium selbst spendeten vereinzelt kühle Luftströme Abkühlung. Es war nicht stickig oder diesig, was mir bereits bei Betreten der Halle positiv aufgefallen ist. Gegen 20:30 Uhr betraten zwei junge Herren die Bühne und es waren die ersten Jubel-Geschreie in den vorderen Reihen zu hören. Mit Waterparks kam eine Band, die mich tatsächlich positiv überraschte. Der Sänger wirkte sympathisch und spielte mit dem Publikum der Halle. Die Band aus Texas überzeugte mehrere Songs lang, langweilte nicht mit Standard-Floskeln á la „ARE YOU READY TO SEE <füge hier den Headliner ein>“.

Die Songs der Band, beispielsweise „I’m a natural blue“, sind typischer Punk-Rock der Szene, zu der man auch Good Charlotte und andere Bands wie Jimmy Eat World oder Fall out Boy zählen kann. Es hat echt Spaß gemacht, den Songs von Waterparks zu lauschen. Eine sehr gute Support-Band, die das Publikum ordentlich angeheizt hat für den Hauptact des Abends. Leider war nach etwa einer halben Stunde der Auftritt vorüber, doch der Name der Band und die Songs blieben bis heute im Ohr hängen.

Konzertbeginn

Nach einer Umbauphase von etwa einer weiteren halben Stunde und mit einer kleinen Verspätung startete der Hauptact des Abends,  Good Charlotte mit seinem eineinhalbstündigen Konzert. Und wie sollte es anders sein, eröffnete die Band das Konzert mit einer Hymne. „The Anthem“, brach alles und die Menge tobte. Zwar merkte man an, dass die meisten Fans älter als 20 waren (es waren fast keine Handys zu sehen!), dennoch entfachte der Song das Feuer. Die Menschen sangen mit, die ersten sprangen durch die Gegend, ein paar Songs später folgten sie der Aufforderung, das Crowd Surfing zu starten (Fans „surfen“ auf den Händen anderer Fans durch die Gegend, meistens bis nach vorn, wo sie von der Security aufgegriffen und zurück ins Publikum geschickt werden).

Das Konzert bot eine Vielzahl und einen guten Mix aus alten, richtig alten und top aktuellen Songs der Band. Kaum zu glauben, dass man Highlights der Band aus sechs Alben (das aktuelle heißt „Youth Authority“, 2016) in eineinhalb Stunden Show gepresst bekommt. Gespickt waren die kurzen Übergänge mit Floskeln á la „We really love you Germany“ oder „You are the greatest, we swear, the greatest audience ever!“. Irgendwann war es selbst für mich ein wenig zu viel Lobgesang auf uns und man fragte sich, wie ernst sie das wirklich meinten (oder wie oft sie das in den unterschiedlichen Ländern wohl sagen würden).

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Je mehr es der Mitte des Konzertes zu ging, desto mehr hatte ich das Gefühl, die Band lockerte langsam auf. Am Anfang fanden sie kaum Worte, um mit den Fans zu reden, später machten die Madden-Brüder (Gesang und Lead-Gitarre) Späße und alles wirkte nicht mehr allzu angespannt. Ich weiß nicht, wie spontan die nächsten Songs waren, denn die Band fragte „Do wanna hear a new or an old song?“ als die Menge mit „old“ antwortete ging es weiter „Old or very old?“ – „very old“. Das Spiel betrieb Sänger Joel noch zwei weitere Male.

Im letzten Drittel des Konzertes kam einer meiner absoluten Lieblingssongs der Band: „The River“. Meine aufgestauten Gefühle der letzten Monate sprang ich weg, brüllte ich weg als wäre dieser Song nur dafür geschrieben worden. Ich habe keine Ahnung, was dieser Song in mir auslöst, aber wenn ich ihn höre, via Kopfhörer oder eben live in Köln: ich muss „ausrasten“.

Einige Fans, genauer gesagt zwei, fielen bereits zu Beginn des Konzertes auf. Sie liefen verkleidet als Möhre und Pizzastück herum. Man fragt sich als Unwissender nun: WAS SOLL DAS? Tja, das ist eine Hommage an den Videoclip zu „I just wanna live“ in dem die Band als Aushilfskräfte als verschiedene „Foods“ durch die Gegend laufen. Es war sehr witzig und fiel der Band später auch auf. Das war ein gelungener Aufhänger bevor eben dieser Song gespielt wurde. Die Fans freute es extrem.

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Plötzlich waren eineinhalb Stunden vorbei. Den Abschluss des Konzerts bildete keine Zugabe, wie man es sonst kennt (die Zugabe-Rufe waren dafür sehr laut). Good Charlotte verabschiedeten sich mit dem Versprechen, demnächst für mehr Konzerte zurück nach Deutschland zu kommen. Der letzte Song, war der erste Song, der kommerziell erfolgreich war: „Lifestyle of the rich and famous“. Ein letztes Mal sprangen die Fans, brüllten/sangen mit und hatten ein letztes Mal Spaß mit der Band, ehe diese so schnell wieder verschwand. Ein riesiger Kreis bildete sich in der Nähe der Bühne und die Menschen waren bereit für den Moshpit.

Setlist

  • The Anthem
  • The Story of My Old Man
  • My Bloody Valentine
  • Girls & Boys
  • Riot Girl
  • Life Changes
  • The Chronicles of Life and Death
  • Predictable
  • The Motivation Proclamation
  • Hold On
  • Makeshift Love
  • Little Things
  • The Young and the Hopeless
  • The River
  • Dance Floor Anthem
  • I Just Wanna Live
  • Lifestyles of the Rich & Famous
Zugabe:
Es gab leider keine Zugabe.

 

Mein Fazit

Waterparks

Das war meine persönliche Überraschung des Abends. Der Sänger erinnert mich bis heute an eine Mischung aus dem Sänger von My Chemical Romance und dem Gitarristen von 5 Seconds of Summer. Die Songs haben mich nachhaltig überzeugt und ich habe eine neue Band, die ich höre. Die Live Performance war eine Mischung von Rookie und Profi. Es war sehr angenehm, noch nicht zu „professionalisiert“ und irgendwie doch authentisch. Das hat mir echt gut gefallen (selbst für jemanden aus Texas!). Gelungener Support-Act!

Good Charlotte

Es ist vielleicht ein wenig der Nostalgie-Gedanke, weil es mich an meine rebellische Teenie-Phase vor X Jahren erinnert, der mich zu dem Konzert bewogen hat. Es war ein sehr geiles Konzert, mein erstes Konzert seit 2014 (ausgenommen von Tom Klose in 2015), auf dem ich mal wieder anfangen konnte „die Sau rauszulassen“. Dieses Mal mit Begleitung, die genau das nicht gewohnt war, aber sie ist ein großer Good Charlotte Fan (und hey, sie ist am Ende sogar mitgesprungen, obwohl es „sonst nicht ihr Ding“ ist).

Die Stimmung war sehr gut und Good Charlotte haben die Fans begeistert, naja bis zum Schluss. Etwas Schade, aber bei US-Bands leider oft zu erwarten: der streng ge-timed-te (wir schreibt man das nun?) Zeitplan. Mit etwa fünf Minuten Verspätung ging es los und Punkt 23 Uhr war es zu Ende. Schade, waren die Rufe nach einer Zugabe doch deutlich und laut. Vielleicht hätten die Fans aber auch statt „Zugabe“ sowas rufen sollte wie „One more song“ oder „encore“. Das ist mir bisher tatsächlich nur bei Konzerten in Köln aufgefallen, dass die Leute „Zugabe“ rufen. In Frankfurt rufen sie immer „One more song“. Egal. Es stimmte mich am Ende des Abends dann doch etwas wehmütig, dass es keine Zugabe kam, aber was sollte auch kommen, die besten Songs der Band waren bereits gespielt.

Ansonsten merkte man der Band (leider?) ihre jahrelange Bühnenerfahrung an. Es wirkte, gerade anfangs, sehr statisch und wie ein „aller Welt Konzert“. Erst als die Band spürbar lockerer wurde, spielte es mit den Fans, baute Witze ein und Anekdoten aus dem Leben. Nichtsdestotrotz hat es mir, als Fan, unglaublich viel Spaß gemacht zu der Musik der Band zu springen und zu singen (naja, eher zu brüllen). Ich würde wieder auf ein Konzert der Band gehen, sollten sie wirklich nach Deutschland wiederkommen (für mehr als ein Konzert).

Daten zum Konzert

Datum: 20. August 2016

Einlass: ca. 18:00 Uhr

Start: ca. 19:30 Uhr
Ende: ca. 23:00 Uhr

Location: Palladium in Köln
Fassungsvermögen: ca. 4000 Menschen

Headliner: Good Charlotte

Support-Act: Big Jesus, Waterparks