Betrachtet man die Serie unabhängig vom Buch, muss man sich selbst eingestehen, dass sie einen berührt. Egal ob positiv oder negativ, aber sie berührt. Die sehr dramatische, teils aber auch überspitzt realistische Verfilmung des Buches „Tote Mädchen lügen nicht“ schockiert. In 13 Folgen werden 13 verschiedene Geschichten erzählt. 13 Geschichte, die dazu geführt haben, dass sich ein junges Mädchen das Leben nahm. Neben der Kassetten, auf denen die tote Hannah Baker ihre 13 Gründe aufzählt, gibt es hier auch die Geschichten der Charaktere, die auf eine Liste geschrieben wurden. Man lernt sie kennen, ihre Beweggründe, aber auch Hannahs Wahrheiten über sie. Hier wurde eine sehr, sehr gute Buchverfilmung gemacht, die einzig einen Abzug erhält, weil die Hauptcharaktere sehr schnell und leider zu lange nervt mit seiner theatralischen seelischen Verletzung. In Zeiten von Cyber-Mobbing und Mobbing an der Schule ist diese Serie mehr als wichtig und empfehlenswert. Daumen hoch dafür.

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Trailer

Zur Geschichte

Hannah Baker ist tot. Suizid. Die Schülerin nahm sich vor zwei Wochen das Leben. Clay dachte, er wäre darüber hinweg. Eines Tages jedoch lag ein Päckchen vor der Tür. Der Inhalt waren 13 Kassetten. Als er mit der ersten Kassette begann, stellte sich Hannah vor. Es waren ihre letzten Worte. Je länger er ihr, ihrem jetzt toten Ich, zuhört, desto mehr verliert er die Kontrolle. Die Kontrolle über seine Gedanken und seine Gefühle. Es tut weh, ihrer Stimme zu folgen. Immer wieder bricht er die Wiedergaben ab. In der Schule konfrontiert er die Schüler, die auf der aktuellen Kassetten Thema sind. Denn diese Schüler sind Teil der 13 Gründe, warum sie, Hannah Baker, sich das Leben genommen hat. 13 Gründe, die eine Schülerin an den Rand der Verzweiflung trieben. Bloßstellung, Schlampen-Stempel, Missachtung der Privatsphäre. Keine Hilfe, wenn sie sie am nötigsten gebraucht hat.

Das Leben als Jugendlicher ist hart. Jeder trägt sein Päckchen, niemand weiß, was er durch bestimmte Wort anrichtet. Bei Hannah kamen über wenige Jahre sehr viele Dinge zusammen, die sie an den Rand drängten. Sie hatte eine Freundin, die weg gezogen ist. Als Neue an der Schule hat man es immer schwer. Hannah traf sich anfangs regelmäßig mit zwei weiteren neuen Schülern, Jessica und Alex. Beide würden später eine eigene Kassette erhalten und Teil der 13 Gründe für den Suizid sein.

Clay durchlebt das Horrorleben, das Hannah in die große Verzweiflung und den Selbstmord drängten. Mit jeder Wahrheit von Hannah, muss er feststellen, dass jedes Wort, jedes Tun, selbst jeder Blick eine Wirkung auf andere Menschen haben kann. Er konfrontiert die Menschen auf den Kassetten in der Schule. Sie streiten alles ab, was Clay nur noch wütender macht. Er versteht nicht, warum sie sich alle dieser Wahrheiten verschließen. Hannahs Wahrheiten. Clay will ihr Andenken retten; sie retten und geht dabei über Grenzen, die hätten nicht überschreiten sollen. Dennoch kämpft er für Hannahs Wahrheiten. Und das gefällt den anderen Schülern natürlich noch weniger und sie schmieden Pläne, Clay ruhig zu stellen. Die Kassetten, die als Schneeball eine weitere Lawine an der Liberty High losgetreten haben.

Hannahs Eltern kämpfen derweil nach Hannahs Suizid ebenfalls für die Tochter. Sie verklagen die Schule, die sich offenbar vor dem Mobbing in den eigenen Wänden verschlossen hat. Sie suchen nach Beweisen, die Mobbing an der Schule beweisen und werden schnell auf der Toilette fündig.

 

Mein Endfazit

Die Serie ist anders als das Buch. Sie lebt von vielmehr Dramaturgie und Überspitzungen. Es gibt nicht nur die 13 Kassetten von Hannah. Jeder Schüler bekommt seine eigene Geschichte, um zu verdeutlichen, dass auch ihr Leben beeinflusst wurde.

Der einzige Grund, warum die Serie von mir keine 5 Sterne bekommt, die sie eigentlich verdient hätte, ist, dass mir Clay in der Serie so unglaublich auf die Nerven gegangen ist. Er zögert alles so theatralisch in die Länge. Sicher, der Charakter muss das alles machen, damit es in Folge 13 kommt, wie es kommt. Aber es war einfach so unglaublich nervig, dass er immer wieder aufgehört hat die Kassetten zu hören (was natürlich verständlich bei seiner Situation ist, da würde vermutlich jeder an seiner Stelle so handeln). Der Charakter ist so anders als der in dem Buch, was es so unglaublich nervig gemacht hat. Man bekam das Gefühl nicht los, dass sein Handeln daran Schuld ist, dass sich Episoden teilweise im Kreis gedreht haben und die Serie in die Länge zog. Vielleicht teilweise auch Lückenfüller waren, um auf die ca. 60 Minuten Handlung zu kommen.

Was mir dagegen am Ende doch gefallen hat (denn anfangs war es nicht so), war der Aspekt der „anderen Geschichten“. Jeder Charakter bekam seine Nebenstory, um die Möglichkeit zu haben, zu zeigen, dass nicht nur Hannahs ein problematisches Leben hat. Die einseitige Sichtweise aus dem Buch, wurde in der Serie zu einem Mehrschicht-Konstrukt. Jedes Tun hatte seinen daraus resultierenden Effekt. Das eigene Leben hat sie zu den Menschen gemacht; warum sie handeln wie sie handeln. Die Kassetten jedoch haben sie darüber nachdenken lassen, dass es nicht der beste Weg ist, andere dafür schuldig zu machen, dass das eigene Leben scheiße ist. Hannah macht im Grunde nichts anderes, ohne die Beweggründe zu kennen, weswegen es so unglaublich wichtig wurde, dass die Geschichten der anderen Schüler erzählt werden mussten. Man lernt, dass niemand Schuld am Suizid der Schülerin trägt, denn sie hatte schon lange aufgegeben. Die einzige Schuld die hier getragen werden kann, ist die Verantwortung über das zusehen von Mobbing.

Anfangs dachte ich noch, dass die Geschichte nicht an das Buch herankommt. Die Kassettenaufnahmen waren sehr nahe an der Originalstory (abgesehen davon, dass Clays Geschichte an einer falschen Stelle kommt). Die Serie ist jedoch krasser in der Darstellung der jeweiligen Story. Bewusst überspitzt, um dem Ganzen mehr Dramatik zu geben, damit es bewusster wahrgenommen wird. Es wurde sehr darauf geachtet alles so realistisch wie möglich darzustellen. Die Szenen könnten an jeder Schule in 2017 statt finden. Sie mahnt, genau wie das Buch, einmal mehr darüber nachzudenken, was man anderen Menschen in seinem Umfeld mit seinem Tun antun kann. Betroffene sollen lernen, dass man sich helfen lassen kann und sollte, auch, wenn es in der Serie bis zuletzt vielleicht nicht danach aussieht. Reflektieren des eigenen Handelns könnte der erste Schritt in die richtige Richtung sind. Man muss auch ganz klar sagen, dass es hier nicht um die Schuld an einem Suizid geht, sondern um Mobbing. Das ist ein Aspekt, der im Buch vergleichsweise weniger rüberkam.

Eine sehr aufwühlende Serie, die mich, genau wie das Buch, am Ende schockiert, traurig und betroffen zurücklässt. Jeder Charakter brachte seine Rolle sehr authentisch rüber, sodass man jeder Silbe Glauben geschenkt hat. Der Titelsong „Only You“ von Selena Gomez (Original von Yazoo) ist in einem sehr passenden Stil aufgenommen worden, der immer wieder Gänsehaut verursacht.

 

Seriendaten

Filmtitel: Netflix Original: Tote Mädchen lügen nicht
Originaltitel/Alternativ-Titel: Netflix Original: 13 Reasons Why
Schauspieler (Auswahl): Dylan Minnette, Katherine Langford, Christian Navarro
Staffel: 1
Anzahl der Folgen: 13
Länge je Folge: ca. 60 min
FSK: 0
Genre: Drama, Mystery
Erscheinungsdatum: 31.03.2017
Creator: Brian Yorkey
Buchvorlage: „Tote Mädchen lügen nicht“ von Jay Asher