Mittlerweile wohnte ich seit über einem Jahr in Wiesbaden. Der Wunsch, ein anderes Studium zu beginnen, hatte sich irgendwie aufgelöst. Wäre das Studienleben ein Roman, stünden wir kurz vor dem Höhepunkt, zwar ein tragischer, aber noch sind wir nicht soweit. Im dritten Fachsemester kamen neue Fächer, neue Erlebnisse und die Freundschaften festigten sich. Krass eigentlich, dass es mittlerweile sechs Jahre her ist.

Halloween

Ende Oktober 2011. Amerikanische Serien waren, soweit ich mich zurück erinnere, der Grund, warum ich immer Halloween „feiern“ wollte. In Deutschland kam es erst in den letzten ca. 15 Jahren auf. Jenni und ich hatte die grandiose Idee, eine Halloween-Party in unserer WG zu veranstalten. Als besonderes Bonbon fotografierten wir jeden Besucher. Wir hatten natürlich viel zu viel Essen, aber generell war es sehr witzig, wenn auch etwas unkoordiniert. Ich erinnere mich, wie wir tagelang alles vorbereitet haben. Allein die Dekoration des Lebensmittelregals mit Spinnweben war ein Akt, der mehrere Stunden in Anspruch genommen hatte. Dennoch erinnere ich mich gerne an diese Zeit zurück. Es war verrückt, schrill und wir machten in der kleinen Truppe sogar eine „Trick or Treat“ Wanderung. Einige aus dem Wohnheim schlossen sich uns an. Ich verkleidete mich als der Tod.

Halloween 2011

Hoe, Hoe, Hoe

Dezember 2011. Weihnachten stand vor der Tür. An Nikolaus verkleideten sich Freya und ich mit Weihnachtsmützen (s. Foto). Es war ein kleines Spässchen. Meine Elfen-Mütze hatte ich von meiner Schwester geschenkt bekommen, die ein halbes Jahr in Nordirland war. Kurz vor den Weihnachtsferien veranstalteten wir ein Schrottwichteln. Ich glaub ich hab damals entweder den Borat-Badeanzug gezogen oder das GameboyAdvance Spiel (eines davon war auch erst ein Jahr später der Fall). Es war echt witzig. Damit begann auch ein kleines Ritual unseres Studienganges. Wir haben den Studiengang ein bisschen revolutioniert.

Nikolaus auch auf dem Campus

Gemeinsam mit meinen WG- und Studi-Freundinnen besuchten wir in diesem Jahr auch viele Weihnachtsmärkte. Der Rausch nach den begehrten Weihnachtstassen ging wieder los. in Darmstadt kaufte ich ein riesiges Lebkuchenherz für meine Schwester mit der Songzeile ihres damaligen Lieblingsliedes. Leider ist ihr das Herz vor ein paar Jahren kaputt gegangen. Der Moment, als sie das Herz ausgepackt hatte, bleibt aber bis heute unbezahlbar. In Frankfurt traf ich Lena, die ich noch aus der Elif-Zeit kenne (und mit der ich seit fast 8 Jahren befreundet bin). Wir aßen riesige Pommes aus Belgien mit unterschiedlichen Soßen (z. B. Cocktail oder Hawaii).

Im November war ich außerdem auf einigen kleinen Konzerten im Nachtleben in Frankfurt. Unter anderem bei Tim Bendzko. Die Konzertkarten waren alle ausverkauft, also kauften Kate und ich welche über ebay (sorry for that). Natürlich total überteuert, denn Tim Bendzko war damals absoluter Trend (quasi der Mark Forster von damals). Warum wir so dringend an die Karten kommen mussten? Nun, Kate war absoluter Bendzko Fan und ich wollte unbedingt wegen Elif hin, denn die kündigte wenige Tage vorher an, dass sie die Vorband wäre. Damit entstand die wohl witzigste Konzertgeschichte ever.

Elif als Vorband von Tim Bendzko 2011

Happy New Year

Silvester 2011 verbrachte ich das erste Mal in Wiesbaden. Ich wollte es unbedingt hier feiern, weil man von dem Wohnheim aus einen super Blick auf Mainz hatte und ich mir das wahnsinnig toll vorgestellt habe. Leider war es sehr vernebelt, und man konnte nicht wirklich viel von Mainz sehen. Dennoch war es sehr cool. Für mich der wesentlichste Schritt zur eigenen Unabhängigkeit. In der WG von Kate feierten Jenni und ich gemeinsam mit zwei anderen in das neue Jahr. Es war mega witzig. Wir hatten, wie es immer so ist, zu viel Essen und sehr viel Spaß. Ich weiß gar nicht mehr, wie das Spiel heißt, welches wir damals gespielt haben … Therapie, oder so? Es war schon echt mega witzig. Und ein prägendes Erlebnis während meines gesamten Studiums.

Silvesterabend 2011

Das 3. Studiensemester

Bei den ganzen Erlebnissen in den ersten Monaten des dritten Fachsemesters könnte man fast vergessen, dass ich eigentlich auch studierte. Aber ich bekam langsam einen Eindruck davon, warum alle immer schimpfen, dass Studenten nur Partys machen würden. Jab.

Bei uns im Studiengang war es Tradition, dass die Drittsemester eine Erstsemesterrundführung organisierten. Mary, Freya, Lisa, Nina und ich beteiligten uns an der Rundführung. Als Empfangs-Gimmick setzten wir alle neuen Studis zusammen an große Tische, um so das Kennenlernen zu erleichtern. Nicht nur für die neuen, sondern auch für die alten Studis. Bis heute finde ich, dass es eine grandiose Idee war. Verpflegt wurden alle mit selbst belegten Brötchen.

Begrüßung der Erstsemester 2011

Wir bekamen im dritten Semester ein Fach namens „Animation“, das von zwei Dozenten abgehalten wurde. Alle zwei Wochen im Wechsel lernten wir, wie man in Adobe Flash animiert und wie man Filme schneidet. Hier kam mir zum Glück meine Ausbildung zur Hilfe, in der ich zwei Jahre lang Videotechnik gelernt habe. Videos machen hat mich irgendwie immer schon interessiert und das animieren in Flash ebenfalls. Rückblickend muss ich sagen, dass ich irgendwie was anderes erhofft hatte, als am Ende raus kam. Und Flash war kurze Zeit später auch nicht mehr so trendig. Dennoch hat es mir generell was gebracht und die Projekte, die ich hier erstellt habe, sind immer noch ziemlich cool. Zum Beispiel haben wir Münzen animiert oder einen Song der Beatles als 1 Minuten Video erstellt.

Erste Aufgabe: Den Weg zum Campus in Flash darstellen

Dass ich das Studium nicht in der Regelstudienzeit schaffen würde, zeichnete sich langsam ab. Spätestens jedoch, als ich mehrere Fächer schieben musste. Begonnen hatte es mit „Entwicklung interaktiver Benutzungsoberflächen“. Das Gruppenprojekt, einen Musikplayer mit spezieller Funktion zu programmieren, artete etwas aus. Aus Zeitmangel schafften wir es nicht, den Player fertig zu bekommen. Weiter ging es mit „Programmieren 3“, wobei das eher daran lag, dass ich bei den zwei Online-Tests durchgefallen war, und die Klausur erst schreiben wollte, wenn ich das geschafft hatte. Es dauerte im Übrigen fast 2 Jahre. Hätte ich das Fach nicht bestanden, wäre ich niemals für das sechste Fachsemester zugelassen worden. Die anderen Fächer habe ich, wider erwartend, mit guten Noten abgeschlossen. Aber der Studiumsstress und der Horror sollten im Sommersemester 2012 erst beginnen.

Die Namen der auftretenden Personen wurden geändert, um deren Privatsphäre zu schützen.