Da war es nun, das Semester, von dem ich euch bereits seit einiger Zeit erzählt habe. Jener Teil meines Studiums, der einen fast schon traurigen Höhepunkt bildet. Aber keine Angst, auch die Geschichte meines Studiums bekommt nach dem Höhepunkt noch das retardierende Moment. Und der Teil wird noch viel dramatischer und ausschlaggebender für mein heutiges Leben. Aber fangen wir erstmal mit etwas Erfreulichem an.

Die Geburtsstunde des Buchblogs

Okay, es ist zugegeben kein wirklicher Teil meines Studiums, aber trotzdem Teil meines Studentenlebens. Dieser Blog hier existiert seit April 2010. Ich habe ihn als persönlichen Blog, hauptsächlich für Familie und Freunde genutzt. Irgendwann hat jemand in meinem Freundeskreis einen Blog über Bücher eröffnet. Das fand ich verdammt cool und ich wollte sowas auch. Immerhin verbrachte ich die meiste freie Zeit mit dem Lesen. Heute, über fünf Jahre später muss ich schmunzeln. Ich vermisse diese Zeit. Man war jung und freute sich aufgeregt über jedes Buch, das man rezensieren konnte. Tja, so fing es dann auch mit dem Stapel ungelesener Bücher an, den ich vorher nie hatte. Der Schritt, meinen persönlichen Blog in einen Buchblog zu verwandeln, ist ein sehr großer gewesen. Die meisten meiner heutigen Freunde habe ich dadurch kennen und lieben gelernt. Ohne diesen Schritt wäre ich niemals zum Football gekommen, aber dazu in einem der späteren Semester mehr. Ja, ich verdanke dem Buchblog sehr viel von dem, was ich heute bin. Das alles begann mit dem Sommersemester 2012. Mir fällt im Übrigen auch gerade ein, dass ich mal kurzzeitig Radiomoderatorin bei einem Online-Radio war … ich weiß nur nicht mehr, wann das gewesen ist.

Nyan Cat, Amazing Horse und Pikachu

Eigentlich begann es schon mit Ende des 3. Fachsemester, aber im 4. ist es eskaliert. Während unserer Freistunden begaben sich Mary, Freya und ich immer in den „Keller“ der Hochschule. Das klingt jetzt seltsamer als es ist. Das ist ein Studi-Raum gewesen, der im Keller war und wo in der Regel keine Praktika oder Vorlesungen statt gefunden haben. Hier standen etwas ältere PCs, an denen gearbeitet werden konnte. Da wir drei meistens allein in dem Raum während der Freistunde waren, liefen diverse Viral Hits, wie man sie heute nennt, bei uns in der Dauerschleife. Zu der Zeit konnte man dann auch erstmals 10h Videos auf Youtube hochladen und ich habe die heute erfolgreichen und bekannten Youtuber erstmals abonniert. Die Musik, wie ihr sehen werdet, ist sehr seltsam, aber tatsächlich lief das mehrere Stunden bei uns. Ich hab es dann auch oft zuhause gehört. Mein Rekord lag bei etwas mehr als 8h Pikachu Song. Natürlich habe ich das nur während der Arbeiten an Studi-Projekten gehört. Ein bisschen Nostalgie kommt da schon auf, weil ich direkt den Keller vor Augen habe und den etwas muffigen, feuchten Geruch.

Energydrinks statt Ernährung

Der angekündigte Höhepunkt bezieht sich auf die Prüfungsphase im Sommer 2012. Es war warm, um nicht zu sagen heiß. Glücklicherweise haben unsere Vorlesungsräume Klimaanlagen gehabt. Dennoch hatte es der Flur nicht. Der Keller nicht. Meine Wohnung im Studentenwohnheim nicht. Der Prüfungsstress verdoppelte sich im Vergleich zu den drei Semestern davor. Was folgten waren Projektabgaben, schriftliche und mündliche Prüfungen. Das alles in knapp 5 Wochen. Während der Projektarbeiten zu lernen viel mir besonders schwer. Ich machte sehr oft Nächte durch, ließ mich dann doch wieder von meiner WG-Mitbewohnerin ablenken und ernährte mich hauptsächlich von Energydrinks. Es war eine krasse Zeit. Normalerweilse sollte ein gesunder Mensch nicht mehr als 250ml Energydrink am Tag trinken. Die meisten Herrsteller sind aber so nett und bieten direkt 500ml Dosen an. Einige sind sogar so nett, sie verkaufen ihre 500ml Dosen in 4er Packs. Was ein Zufall, dass der Rewe in der Nähe diese ausgerechnet in der Prüfungsphase im Angebot hatte. Ich hatte vor mir ein paar Energieschübe zu holen, wenn ich mal auf dem Low Level war. Offenbar war ich das sehr oft. Nach einer Woche und nahezu 3-4 Dosen pro Tag war ich nicht nur der Herzkreislaufschwäche nahe, sondern auch dem Zuckerschock. Es ist keine tolle Phase gewesen, meistens berichte ich aber genau darüber, wenn ich über mein Studium spreche.

Freiheit

Es war der 27. Juli 2012, ca. 12 Uhr, die letzte Prüfung war geschrieben und ich begab mich mit den Studifreundinnen auf den Weg in Richtung Wiesbadener Innenstadt. Die Semesterferien krönend begrüßen mit einem ausgiebigen Mittagessen beim Thailänder inkl. No-Alc Cocktails. Im Hugendubel kaufte ich mir noch ein Buch vom Mängelexemplarsstapel. Den Rest des Tages verbrachten wir im Warmen Damm in Wiesbaden, einem städtischen Park. Der Stress der letzten Wochen und Monate purzelte langsam fort. Auf Facebook schrieb ich am Abend passenderweise:

S E M E S T E R F E R I E N ! ! ! ! !
Was jetzt endlich von der To-Chill-Liste abgearbeitet werden kann bis Oktober:
1) …
2) …
3) …
4) immer noch Nichtstun angesagt
5) und wenn dir langweilig ist: chill eine Runde!

Nach etwa einem Monat trudelten zwar die ersten Noten ein, aber das konnte vorerst nicht meine Freude auf den Sommer stoppen. Leider trudelten immer mehr 5,0 ein. Ich war nahezu in allen Fächern durchgefallen und das trübte meine Laune dann doch wieder. Glücklicherweise überwiegten aber die Freizeitaktivitäten. Zunächst zog ich im August aus dem Wohnheim aus, da sich meine Lieblings-WG-Mitbewohnerin in Richtung Leipzig aufmachen wollte und ich keine Lust hatte, mit vollkommen neuen, fremden Menschen anzufangen. Mit ihr hatte einfach alles gepasst. Ich zog mit Mary in eine WG, die anfangs sehr cool war und sich dann schnell wandelte. Ich entwickelte in der Zeit eine Depression, aber dazu mehr im nächsten Semester.

2012 fanden die MTV Europe Music Awards in Frankfurt statt. Ich wollte dort unbedingt hin, leider wurden die Karten nur verlost. Es gab eine Aktion, bei der man ein 30 Sekunden Video machen sollte, warum man unbedingt zu den EMAs soll. Als eine E-Mail von einem britischen Absender in meinem Mailfach war, hätte ich sie fast gelöscht … zum Glück tat ich das nicht. Denn ich hatte tatsächlich mit meinem Video ein Ticket für die EMAs in Frankfurt bekommen. Eines der Highlights meiner Konzerte-Saison in 2012.

In Wiesbaden fand im Sommer das letzte Mal das richtige „Folklore“ statt, ehe es ein paar Jahre später komplett eingestampft wurde. Ich kaufte mir eine Dauerkarte und sah unter anderem Kraftklub und Jupiter Jones. Es waren so viele Konzerte in dem Jahr, ich kann mich teilweise gar nicht mehr erinnern. Der Sommer jedoch machte alles wett, was sich im gesamten vierten Semester an Stress aufgestaut hatte.