Peinlich, peinlicher, Deutschland. Zumindest möchte man das glauben, wenn man bedenkt, wo Deutschland in den vergangenen Jahren gelandet ist. Tatsächlich zieht dieser „0 points Germany“ Trend schon vor Lena seinen Kreis. Dass Lena damals gewann, machte neue Hoffnung, denn offenbar mochte uns Europa doch. Haben wir aus Lenas Sieg gelernt? Nein. In diesem Teil meines ESC Countdowns präsentiere ich euch meine Top 5 der peinlichsten deutschen Beiträge. Wie immer gilt, das ist nur meine Meinung und ich würde mich über eure Meinung in den Kommentaren freuen.

Platz 5

Den fünften Platz belegt nicht die Sängerin und ihre Leistung, sondern der Umstand, wie sie zu ihrer ESC Nominierung kam. Bekanntermaßen macht Deutschland einen riesen Aufriss, um von den Zuschauern ihren Favoriten wählen zu lassen. So geschehen auch 2015. Im Finale des deutschen Vorentscheids stehen Ann Sophie und Andreas Kümmert. Mit einer überragenden Mehrheit gewann Andreas Kümmert. Der Skandal und der damit verbundene „peinliche Moment“ kam kurz darauf als Barbara Schöneberger Andreas Kümmert fragt, ob er das Lied noch ein weiteres Mal singen möchte. Er lehnt ab und gibt seine Wahl an Ann Sophie weiter (Video). Das sorgte natürlich für einen Haufen Diskussionen vorab und stimmte die Deutschen auf den ESC noch missmutiger als sonst. Für Ann Sophie war es eine schwere Bürde, die sie trotz aller Kritik und kaum Punkten im ESC Finale, gut gemeistert hat. Nach diesem Vorfall werden die Künstler jetzt immer konkret gefragt, ob sie wirklich für Deutschland beim ESC antreten möchten. Ann Sophie wurde 2015 mit 0 Punkten 27. von 27. Österreich, ebenfalls mit 0 Punkten wurde 26., da sie mehr Anrufe hatten.

Ann Sophie mit „Black Smoke“ für Deutschland 2015

Platz 4

Auf dem vierten Platz tummelt sich ebenfalls ein Beitrag, der mit sehr viel Vorabkritik ins Rennen ging. „Glorious“ von Cascada würde dem Siegersong von 2012, Loreen und „Euphoria“, zu sehr ähneln. Eine ESC Jury musste sich daraufhin beraten und es ging über viele Instanzen ehe der Entschluss kam, dass Cascada antreten dürfe. Die Begründung: Man erkenne eine Inspiration zu „Euphoria“, aber es wäre ein anderer Song. Ich erhoffte mir dennoch Punkte, vor allem aus dem UK, da Cascada bis dato dort sehr, sehr erfolgreich war. Das Ende vom Lied: Deutschland ging ohne Punkte vom UK und mit 18 Punkten insgesamt nach Hause. Die höchste Punktzahl kam mit 6 Punkten aus Österreich. Weitere Punkte gab es aus Albanien, Israel und Kroatien. Man erkennt im Übrigen auch Ähnlichkeiten zu „Don’t you worry child“ (Video).

Cascada mit „Glorious“ für Deutschland 2013

Platz 3

Ich war voller Euphorie, als es damals hieß, dass die No Angels ihr Comeback feiern würden. Anfang der 2000er war ich ein großer NoA Fan und sammelten jeden kleinen Schnipsel und jedes Poster. Dementsprechend war auch meine Freude, als die No Angels 2008 den deutschen Vorentscheid gewannen. Ich freute mich wirklich richtig doll. Umso größer die enttäuschende Performance. Zu zarte Stimmen, ein seltsamer Tanz und irgendwie nicht das, was ich von den No Angels erwartet habe, war der Song doch eigentlich als Studioversion richtig toll. Wenigstens ging meine Hoffnung auf, dass wir (vermutlich wegen Lucys Herkunft) ganze 12 Punkte aus Bulgarien bekamen. Mit den tröstlichen 2 Punkten aus der Schweiz kam Deutschland tatsächlich noch auf 14 Punkte und wurde 2008 23. von 25. Platz 24 und 25 hatten ebenfalls 14 Punkte, hatten jedoch weniger Telefonanrufe.

No Angels mit „Disappear“ für Deutschland 2008

Platz 2

Gracia. Kennst du noch? Ne? Okay. Sagt dir „Deutschland sucht den Superstar“ was? Ja? Gut. In der ersten Staffel landete Gracia Baur in den Top 10. Sie wurde vor allem auch bekannt als die „beste Freundin“ von Daniel Küblböck. Wie kam sie aber 2005 zum ESC? Nun, damals gab es noch die Regelung, dass der eingereichte Song für den Vorentscheid und damit für den ESC eine bestimmte Anzahl an CD Verkäufen in Deutschland verbuchen musste. Gracia belegte in der ersten Woche mit der Single Platz 20 der deutschen Singlecharts. Aufgrund dieses Erfolgs wurde sie zum Vorentscheid eingeladen. Soweit so gut. Mit etwas mehr als der Hälfte der Stimmen im Finale gewann sie den Vorentscheid. Grund zur Freude? Naja, kommen wir zum eigentlichen Skandal. Denn mit rechten Dingen ging es nicht zu. Der Produzent des Songs gab in einer Sendung zu, ca. 2000 CDs gekauft zu haben, um Gracia so in die Charts zu bringen und ihr keinen „Nachteil“ zu geben. Höchst umstritten, fand auch Gracia selbst, die bestritt, von den Käufen gewusst zu haben. Es folgte die Rücktrittsforderung, die Gracia verneinte. Daraus resultierte der schlechteste deutsche Beitrag seit 1995. Gracia bekam ganze 4 Punkte (2 jeweils aus Monaco und Moldawien) und wurde 2005 letzter. Und schlecht trifft es wirklich, diese Performance gilt noch heute als eines der schwärzesten deutschen ESC Beiträge. Selten hat man jemanden auf der Bühne gehabt, dessen Stimme so brüchig und wackelig war. Schade.

Gracia mit „Run & Hide“ für Deutschland 2005

Platz 1

Der Sieger der peinlichsten und skandalösesten Songs ist ein Beitrag, den ich bis heute verdränge, vergessen will und den selbst „Graf Dracula“ nicht übertreffen konnte. Ohne Vorentscheid schickte man Alex C mit einem unbekannten Sänger zum ESC. Wenn wir nämlich ehrlich sind, hätte dieser Beitrag garantiert den Vorentscheid in der ersten Runde nicht überlebt. Wenn wir ehrlich sind, ist Dita von Teese die einzige, die bei diesem Auftritt einigermaßen okay war. Aber selbst ihr Martini Glas war nicht voll genug, um diesen peinlichen Beitrag zu überstehen. Woher der Sänger kam und wohin er wieder verschwunden ist, weiß kein Mensch. Aber diese seltsame enge, silberfarbene Hose, ja, an die erinnert sich dann doch jeder. Ich habe mich an diesem Abend in Grund und Boden geschämt. Im Übrigen vermute ich, dass diese Totalausfall Schuld daran ist, dass Stefan Raab in Kooperation mit ARD und Pro7 „Unser Star für Oslo“ ins Leben rief. Was 2010 geschah, wissen bis heute alle. Doch vor „Lovely Lena“ musste erstmal alles in die Hose gehen. Ich wag es mich nicht auszusprechen, aber die 35 Punkte und der damit verbundene 20. Platz (von 25), können nur durch Dita von Teese gekommen sein. Anders kann ich es mir nicht erklären.

Alex Swings Oscar Sings! mit „Miss Kiss Kiss Bang“ für Deutschland 2009