Deutschland kann nicht nur schlecht, peinlich oder skandalös. Deutschland kann auch gut und das konnte spätestens Lena 2010 beweisen. Meine heutige Top 5 dreht sich um die besten deutschen Beiträge seit 2000. Vielleicht steckt am Ende doch noch die ein oder andere Überraschung drin. Mir fiel die Auswahl äußerest schwer, weswegen ich 2-3 Beiträge, die ich ebenfalls sehr toll fand, nicht in die Top 5 packen konnte. Ebenfalls gute Beiträge waren 2001 Michelle mit „Wer Liebe lebt“, dem letzten Schlager/Volksmusik-Beitrag, der auf Platz 8 landete. 2004 Max Mutzke mit „Just can’t wait until tonight“ dessen Mono-Braue und dank Stefan Raab ihn ebenfalls auf Platz 8 brachten. 2014 Elaiza mit „Is it right“, deren Spirit mich irgendwie gefesselt hat. Leider prallten sie an Europa ab und landeten „nur“ auf Platz 18. Aber kommen wir nun zu meiner Top 5. Wie immer gilt, das ist meine persönliche Meinung und ich freue mich, wenn ihr mir eure Top 5 der deutschen Beiträge seit 2000 in den Kommentaren unten verraten würdet.

Platz 5

Der am meisten unterbewerteste Song in dieser Top 5 kommt von der damals 18-jährigen Jamie-Lee. Sie gewann zurecht „The Voice“ und den deutschen Vorentscheid. Ich mochte den Song sehr gern und auch ihren Kleidungsstil, ihre Art und ihre Stimme. Erstmals vermutete ich ein politisches Voting gegen Deutschland beim Eurovision. Zu der Zeit gab es die meisten Diskussionen zu Angela Merkels Flüchtlingspolitik und hier kann man wirklich davon sprechen, dass Europa uns gehasst hat. Das würde nämlich auch erklären, warum die arme Jamie-Lee von der Jury insgesamt nur einen und von dem Publikum 10 Punkte bekam. An dem Abend waren weitaus mehr Interpreten gewesen, die weniger Punkte verdient hätten. Vor allem war auch der Gewinnersong 2016 aus der Ukrainie stark in der Kritik. Russland fühlte sich von dem Song beleidigt, da sie annehmen mussten, dass er zur politischen Situation auf der Krim war, politische Songs aber beim ESC nichts zu suchen haben. Die ukrainische Sängerin beharrte darauf, dass es die Geschichte ihrer Oma von 1944 wäre. So richtig klar war das nie. Allgemein waren 2015 und 2016 sehr schwierige ESC Jahre. Ich selbst habe den ESC das erste Mal seit fast 10 Jahren nicht mehr verfolgt und habe ihn still boykottiert. Ich bin auch nicht zufrieden mit dem Song, der am Ende gewann. Mir war das ganze Event zu politisch. Sei es drum, ich steh immer noch hinter „Ghost“ von Jamie Lee und ich hatte ihr eigentlich eine Top15 Platzierung zugetraut. Am Ende wurde es der letzte Platz (26.) mit 11 Punkten.

Jamie-Lee mit „Ghost“ für Deutschland 2016

Platz 4

Ruhe in Frieden, Roger. Neun Jahre nach seinem Auftritt beim ESC 2007 verstarb der Jazzmusiker im Jahr 2016. Als er damals für Deutschland antrat, verstand ich die Welt nicht mehr. Jazz? Mit meinen damals 18 Jahren, mochte ich diesen Song absolut nicht. Mittlerweile, und vor allem im Vergleich zu vielen anderen deutschen Beiträgen seit 2000, gefällt mir dieser Song. Roger war der letzte Interpret, der für Deutschland mit einem deutschsprachigen Song antrat. In Helsinki, Finnland, wurde Roger 19. von 24 mit 49 Punkten. Mein Favorit in dem Jahr war der schräge ukrainische Beitrag von Verka Serduchka. Roger setzte sich beim deutschen Vorentscheid gegen Monrose und Heinz Rudolf Kunze durch. Elfmal gab es Punkte aus Europa und die höchste Punktzahl von 7 Punkten gab es zweimal (Österreich und Schweiz).

Roger Cicero mit „Frauen regier’n die Welt“ für Deutschland 2007

Platz 3

2012 hat sich bei mir eingebrannt, wie 2006. So viel ist meinem Leben in diesem Jahr geschehen. Loreen, die damals mit „Euphoria“ gewann, gehört noch heute zu meinen alljährlichen Frühlingssongs. Aber auch Deutschland hatte, nachdem 2011 Lena nochmals angetreten war, etwas zu bieten. Warum wir immer so ruhige Songs schicken, weiß ich nicht. Aber irgendwie hatte das Lied von Roman Lob, der bei „Unser Star für Baku“ gewann, etwas erfrischendes. Der achte Platz von 26 war auch ungefähr das, womit ich gerechnet hatte. Sicherlich kein Gewinnersong, aber mit einer Top 10 Platzierung hatte ich hier locker gerechnet und das wurde erfüllt. Insgesamt erhielt Roman Lob 2012 110 Punkte und erhielt fünfmal die 10 Punkte. Insgesamt erhielt aus 21 Ländern Punkte und bleibt der bisher letzte deutsche Teilnehmer, der es über die Top 10 geschafft hat.

Roman Lob mit „Standing Still“ für Deutschland 2012

Platz 2

Dieser Beitrag wurde 2006 von dem europäischen Publikum total unterbewertet. Es war das Jahr der Fussball WM im eigenen Land. Ein besonderes Jahr und ein besonderer Song. Noch heute muss ich zu diesem Song tanzen und weiß noch genau, wie sehr uns Deutsche dieser Song noch im Sommer 2006 hat tanzen lassen. In Athen, Griechenland fand der Eurovision Song Contest in dem Jahr statt. Obwohl das Motto „Feel the rhythm“ war, konnte Europa scheinbar den Rhythmus dieses deutschen Beitrags nicht spüren. Der Song war anders als die bisherigen. Leicht angehauchter Country-Pop mit einer Band, die sich selbst nicht zu ernst nahm und einem australischen Vocal Coach, die 2007 sogar Vocal Coach bei „POPSTARS on Stage“ wurde. Von 24 Ländern im großen Finale, wurden Texas Lightning nur 14. mit 36 Punkten. In Deutschland war der Song, nach Veröffentlichung Ende März 2006, ganze 38 Wochen in den Charts, mit Höchstplatzierung an der Chartspitze und sogar einer Platin-Auszeichnung. Aus der Schweiz erhielt der Song seine höchste Punktzahl mit 7 Punkten. Zum Vergleich: In der Schweiz war der Song 34 Wochen in den Charts, Höchstplatzierung Platz 6. Österreich nahm zwar nicht am ESC teil, aber gönnte der Band in den Charts ebenfalls 34 Wochen und maximal Platz 4. Zehnmal erhielt Texas Lightning 2006 Punkte für Deutschland. Total unterbewertet wie ich noch heute finde. Schade, der Song hätte nach Lordi in dem Jahr richtig absahnen können. Hier entstand auch das erste Mal das Gerücht, dass Europa uns „nicht mag“. Der BBC Kommentator kündigt die Band, mit Startplatz 8, mit „Are we in Athens, Georgia?“ an, als Anspielung auf die Country-Musik und den US-Bundesstaat.

Texas Lightning mit „No No Never“ für Deutschland 2006

Platz 1

Wie könnte es anders sein. Nach Nicoles „Ein bisschen Frieden“ (1982) konnte bisher nur ein weiterer deutscher Beitrag den ESC gewinnen. Meine Nummer Eins der fünf besten deutschen Beiträge seit 2000 kann nur eine sein: Lovely Lena. Bereits bei „Unser Star für Oslo“ musste man sich in die damals 19-jährige verlieben. Auch abseits vom ESC begeisterte Lena in Oslo die Menschen mit ihrer lockeren Art. Stefan Raab tat ihr als Mentor sichtlich gut und noch heute, 8 Jahre nach ihrem Sieg, ist Lena erfolgreiche Sängerin in Deutschland. Mit der Startnummer 22 betrat sie die Bühne, mit dem ersten Platz und einer Trophäe ging sie heim. Eine ganz neue ESC Generation entstand und viele der heutigen Zuschauer, begannen den ESC 2010 zu schauen. Bisher war kein deutscher Vorentscheid so erfolgreich wie 2010 „Unser Star für Oslo“. 246 Punkte erhielt die Dame aus Hannover (Platz 2 wurde der türkische Beitrag von maNga mit 170 Punkten). Ganze neunmal erhielt Lena die höchste Punktzahl (12). Nur aus fünf Ländern erhielt sie gar keine Punkte. Insgesamt nahmen 25 Länder am großen Finale teil.

Lena Meyer-Landrut mit „Satellite“ für Deutschland 2010