Diese zweite Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“, hat es absolut in sich. Sie ließ mich am Ende wütend, traurig oder verstört zurück. Die Geschichte von Hannahs dreizehn Gründen, die in der ersten Staffel aus ihrer Sicht erzählt wurde, wird in der zweiten Staffel aus Sicht der anderen Schüler erzählt.

Für mich persönlich schließt sich damit die Geschichte und sollte trotz des, vielleicht sogar bewusst offenen Endes genau hier enden. Die zweite Staffel schockiert noch mehr als die erste Staffel. Die Schauspieler haben sich selbst übertroffen und haben ihren Charakteren besondere Gesichter verliehen. Eine Empfehlung kann ich nur bedingt aussprechen, nämlich für jene, die nicht durch die zuvor erwähnten Dinge getriggert werden.

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Trailer: Tote Mädchen lügen nicht (Staffel 2)

Spoiler Warnung, es handelt sich um die zweite Staffel. Die Rezension zur ersten Staffel findest du hier. Trigger-Warnung: Bitte Schaut euch diese Video (Der Link für zur offiziellen Triggerwarnung) auf Youtube an, wenn ihr auf bestimmte Dinge getriggert werdet.

Zur Geschichte von „Tote Mädchen lügen nicht, Staffel 2“

Fünf Monate sind vergangen. Hannah Baker ist immer noch tot. An der Liberty Highschool ticken die Uhren jetzt leise, denn Niemand darf auch nur das Wort Suizid in den Mund nehmen. Die Stimmung ist gedrückt, denn die Schule wird von der Mutter von Hannah Baker verklagt. Die Charaktere müssen sich vor Gericht als Zeugen verantworten. In jeder Folge berichtet ein anderer Mitschüler von seinen Erlebnissen an der Liberty High und seiner Erinnerung an Hannah Baker.

Waren es in der ersten Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ noch Kassetten, die Hannahs Geschichte erzählten, sind in der zweiten Staffel Polaroid-Fotos das Zentrum der Geschichte. Sie beinhalten verstörende Szenen von Mädchen, die ähnliches durchmachen mussten wie Hannah. Man sitzt im Gericht, man hört den Zeugen zu, wie sie ihre Geschichte zu Hannah erzählen. Im Hintergrund sieht man immer wieder Rückblenden oder parallel laufende Geschichten.

[quote cite=“Tyler Down“]Dass du das Bild hast, heißt noch lange nicht, dass du die Wahrheit kennst.[/quote]

Tyler Down

„Wie ist es jetzt an der Liberty High?“, fragte der Verteidiger Tyler im Zeugenstand. Tylers Antwort nach einer kurzen Pausen, in der er in die Leere schaut: „Schlimmer.“ Tyler muss in der ersten Folge als erstes von allen Mitschülern aussagen. Seine Antworten wirken ehrlich und reumütig. Ihm scheint es unendlich leid zu tun, da er selbst weiß, wie es ist, Mobbing-Opfer zu sein. Er will der erste Mitschüler sein, der aussagt, um damit seiner Angst zu begegnen. „Ich will keine Angst mehr haben“, ist eine Aussage, die im weiteren Verlauf der Staffel noch von Bedeutung sein wird. Tyler wird zu einer tragischen Nebenfigur in der zweiten Staffel.

Alex Standall

Am Ende der ersten Staffel erfährt man, dass Alex einen Suizid Versuch begangen hat (Kopfschuss). Die Folgen des Versuchs sind tragisch. Alex muss regelmäßig zu Ärzten und zur Therapie. Er ist halbseitig gelähmt. An den Suizidversuch erinnert eine große Narbe über seinem Ohr. Alex soll nun wieder zurück in die Schule. Die Angst vor dem, was ihn erwarten wird, lähmt ihn immer wieder. Seinen Eltern schrieb er einen Abschiedsbrief, den er unbedingt lesen möchte, um zu verstehen, warum er es getan hat. Doch seine Eltern tun so, als dürfe man das Thema nicht ansprechen. Alex geht den richtigen Weg und drängt darauf, den Brief zu bekommen. Doch dieser wirft nur noch mehr Fragen auf.

[quote cite=“Alex Standall“]Ich hätte es verhindern können.[/quote]

Olivia Baker

Hannahs Mutter ist mittlerweile von ihrem Mann getrennt und hat sich radikal die Haare kurz geschnitten. Die Erlebnisse, die Klage, der Tod der Tochter und die Trennung, all das haben ihre Spuren hinterlassen. Im Lauf der Staffel erfährt sie immer mehr Details und Geheimnisse über ihre Tochter und bekommt das Gefühl, Hannah gar nicht richtig gekannt zu haben. Später würde sie fragen, warum Teenager so viele Geheimnisse vor ihren Eltern haben, die Antwort von Tony ist so schmerzlich, wie sie wahr ist.

Clay Jensen

Clay ist mit Skye zusammen, die – ähnlich wie Hannah – an Depression leidet. Er versucht bei ihr zu verhindern, was er bei Hannah nicht geschafft hatte. Clay will ihr helfen, weil er sich schuldig an Hannahs Tod fühlt und irgendwie steht genau diese zwischen den beiden. Hannah bleibt speziell für Clay weiterhin präsent. Im wahrsten Sinne des Wortes. Clay versucht auch in der zweiten Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ Gerechtigkeit für Hannah zu bekommen. Doch auch er ist irgendwann an den Grenzen seiner Möglichkeiten und seines Willens angekommen. In seinem Wahn verfolgt ihn Hannah noch immer. Im wahrsten Sinne des Wortes.

[quote cite=“Tyler Down“]Ein Bild erzählt nie die ganze Geschichte.[/quote]

Justin Foley

Bereits zum Ende der ersten Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ floh Justin, vor seiner Mutter, vor seinen Freunden, vor der Wahrheit. Er ist irgendwo untergetaucht. Doch er gilt als einer der wichtigsten Zeugen und ohne ihn würde auch Jessica nicht aussagen. Deswegen machen sich Clay und Tony auf die Suche nach Justin. Der Weg führt sie nach Oakland und damit entwickelt sich die Story in eine neue Richtung.

Jessica Davis

Jessica war für einige Monate weg. Sie will für Hannah im Zeugenstand aussagen, doch die Eltern sind dagegen. In der Schule verbringt sie viel Zeit mit Alex, der ihr aktuell viel Kraft spendet. An der Liberty High wird sie regelmäßig mit den Geschehnissen auf der Party konfrontiert. Jedes Mal, wenn sie Bryce sieht, scheint es, als würde es sie lähmen. In der ersten Folge der zweiten Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ bekommt sie eine Drohung via Sex-Gummipuppe am Strick. Das bleibt nicht die einzige Drohung, denn jemand will ihr einreden, dass die Wahrheit, eine Lüge ist.

[quote cite=“Courtney Crimsen“]Was ist wahr? Ich glaube, wir alle haben unsere eigene Wahrheit.[/quote]

Zach Dempsey

Zach hat eine krasse Entwicklung durchgemacht. Man bekommt das Gefühl nicht los, dass er etwas im Schilde führt. Er kümmert sich auffällig intensiv um Alex und versucht Bryce so weit es geht, aus dem Weg zu gehen. Er war auch in der ersten Staffel kein fieser Charakter, nur einer, der die falschen Freunde hat. Es scheint, als würde er das auch merken, und versucht abseits vom Baseball nichts mehr mit Bryce zutun zu haben.

Weitere Charaktere

Bryce verdreht an der Highschool die Wahrheit und glaubt lieber seinen eigenen Lügen. Tony, eine der wichtigsten Personen in der ersten Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“, wird zu einer Randfigur. Courtney spricht mit ihren schwulen Vätern über den Prozesse (Folge 2) und merkt immer mehr, dass ihre eigene Sexualität ihrer falschen Realität nicht mehr entspricht. Montgomery bekommt eine abartige Präsenz in der Staffel, die man nicht in Worte fassen kann. Skye ist ein wichtiger Charakter, der Clay in den ersten Folgen einige wichtigen Dinge lehrt, die ihm erst viel später bewusst werden. Marcus verdreht seine eigenen Aussagen so, damit sein Saubermann Image auch ja nicht dreckig wird. Auch die übrigen Charaktere machen einen Wandel durch, der sie zu einer Wahrheit führen wird.

 

Mein Fazit zu „Tote Mädchen lügen nicht, Staffel 2“

Ich war skeptisch, was ich von der Fortsetzung halten soll, bevor ich sie geschaut habe. Für mich war die Story von Hannah erzählt, aber irgendwie habe ich schon erwartet, dass sich die Story nun um die anderen Charaktere drehen würde. Genauso kam es auch. Doch die Details der Geschichten sind weitaus schlimmer, als ich es mir je hätte vorstellen können. Am Ende jeder Folge wird darauf hingewiesen sich Hilfe zu suchen. Ich empfehle zudem den folgenden Twitter-Post, der die einzelnen Trigger der Serie aufzeigt. Da hat sich ein Fan wirklich viel Mühe gemacht und es kann hilfreich sein. Ich empfehle die Serie nicht allein zu schauen, wenn ihr getriggert werden könntet. Hier geht es zu dem Twitter-Post mit den Triggern.

[quote cite=“Courtney Crimsen“]Das ist das, was auf den Fotos zu sehen ist. Das beweist, dass sie [Hannah] eine gute Freundin war.[/quote]

Die Geschichte von „Tote Mädchen lügen nicht, Staffel 2“

Der Aspekt in jeder Folge einen anderen Mitschüler zu verhören und dessen Wahrheit zu erfahren, gefiel mir unglaublich gut. Man erlebte den Zwiespalt der einzelnen Charaktere, aber auch Entwicklungen. Mit Ende der zweiten Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ muss ich an ein Zitat aus „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ denken. Ich kann es jedoch nicht zitieren, denn das würde zu einem massiven Spoiler führen. Eine Woche nach dem ich die Serie binnen eineinhalb Tagen durchgeschaut habe, bin ich immer noch paralysiert. Immer wieder sehe ich die Szene aus der 13. Folge vor Augen (zu eurer eigenen Sicherheit: bitte nicht googeln).

Fotos statt Kassetten

Interessanterweise wird damit geworben, dass es in dieser Staffel statt um Kassetten, dieses Mal um Fotos geht. Ja, geht es, aber nicht hauptsächlich. Die Fotos sind Teil einer Nebenstory, die für mich mehr ein Indiz dafür ist, dass sie mit der Staffel die Serie zu Ende bringen wollten. Hannah war nicht die einzige, die an der High School diese schrecklichen Dinge vor allem mit dem Sportteam erlebt hat. Diese Story ist sehr wichtig und sorgt in diversen Folgen für fiese Cliffhangar. Streng genommen hat sie aber mit der Hauptstory, der Klage von Mrs Baker gegen Liberty High. Streng genommen geht es um die Geschichte aus Staffel 1 nur aus der Sicht der anderen Schüler. Es rundet das Bild ab und zeigt auf, dass es nie nur eine Wahrheit gibt. Und das hat mir gut gefallen, weswegen ich keine dritte Staffel möchte.

Die Charaktere von „Tote Mädchen lügen nicht, Staffel 2“

Dass Clay Hannah als innere Stimme mit sich rumträgt, fand ich anfangs sehr merkwürdig. Doch im Nachhinein muss ich sagen, dass es Sinn macht, dass er sie sieht. Er kann sie eben nicht los lassen. Mir tat aber auch Mrs Baker so unglaublich leid. Sie im Gerichtssaal zu sehen, wie sie all die Geheimnisse ihrer verstorbenen Tochter erfuhr, brach mir das Herz. Eine der krassesten Empathie-Entwicklungen zwischen Zuschauer und Charaktere machte man wohl mit Tyler durch. Der Junge, der selbst dem Zuschauer egal scheint, wird zu einer tragischen Randfigur, der man, je näher es dem Ende kommt, am liebsten umarmen möchte.

Montgomery. Ich hasse ihn. Mehr noch, als Bryce. In der ersten Staffel habe ich mit Clay mitgefühlt, denn Bryce hat mich so aggressiv gemacht. Jetzt denke ich mir so, dass Bryce ein harmloser Schoßhund ist, im Vergleich zu Montgomery. Denn der ist einfach nur gestört, wegen eines dummen Baseballspiels …

Die Schauspieler von „Tote Mädchen lügen nicht, Staffel 2“

Wow. Ich muss vor allem die schauspielerischen Leistungen von Kate Walsh (spielt Olivia Baker), Daven Druid (spielt Tyler Down), Timothy Granaderos (spielt Montgomery de la Cruz) und Justin Prentice (spielt Bryce Walker) hervorheben. Sie haben ihre Charaktere so unglaublich gut porträtiert. Diese vier Schauspieler haben ihren Charakteren die Züge verliehen, die sie brauchten. Chapeau dafür!

Mein Endfazit zu „Tote Mädchen lügen nicht, Staffel 2“

Nachdem ich mit der Staffel fertig war, schaute ich mir das „Behind the reasons“ Interview an. Es erklärt einige Dinge und zeigt leider auch auf, dass das Fiktive gar nicht so fiktiv ist, wie wir es uns erhoffen. Mir hat die Staffel persönlich sehr gut gefallen. Finde aber, dass es mit Ende der zweiten Staffel – auch wenn viele offene Fragen stehen geblieben sind – auch das Ende der Serien sein sollte.

Ich finde diesen Cliffhangar nervig, weil es das falsche Ende ist. Die Serie brauch keine weitere Staffel, denn es ist alles erzählt. Es ging um Hannah, es ging um alles, was ihr an der Schule passiert ist. Wir haben die Wahrheit aus Hannahs Sicht erfahren und aus der Sicht der anderen Charaktere. Eine weitere Staffel, wie viele es sich wünschen, würde meiner Meinung nach sinnlos sein.

[quote cite=“Katherine Langford“ url=“http://www.filmstarts.de/nachrichten/18518972.html“]Für mich war nach Staffel 1 schon der Moment gekommen, Hannah gehen zu lassen. Die zweite Staffel war nun für Clay.[/quote]

Empfehlung für „Tote Mädchen lügen nicht, Staffel 2“?

In der Zwischenzeit wurde ich mehrfach gefragt, ob die Serie zu empfehlen ist. Mit der zweiten Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ würde ich eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen. Ich befinde mich aktuell in einem gesunden Zustand, in dem ich – von den zuvor genannten Dingen – nicht getriggert werde. Die Brutalität an sich war verstörend. Ich empfehle die Serie nicht oder zumindest nicht alleine zu schauen, wenn eines der genannten Themen einen Trigger darstellt.

Bewertungsskala

 

Seriendaten

Filmtitel: Netflix Original: Tote Mädchen lügen nicht
Originaltitel/Alternativ-Titel: Netflix Original: 13 Reasons Why
Schauspieler (Auswahl): Dylan Minnette, Katherine Langford, Christian Navarro
Staffel: 2
Anzahl der Folgen: 13
Länge je Folge: ca. 60 min
FSK: 16
Genre: COMING OF AGE-SERIE, DRAMA, MYSTERYTHRILLER
Erscheinungsdatum: 18.05.2018
Creator: Brian Yorkey
Buchvorlage: „Tote Mädchen lügen nicht“ von Jay Asher
Titelmusik: „Back to you“ von Selena Gomez (Youtube)

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