Vor ein paar Wochen war ich mal wieder in so einer seltsamen Phase zwischen „Wo will ich in Zukunft hin“ und „Die Zeit damals war schon einzigartig“. Ich denke, dass jeder diese Phasen kennt, vor allem jene, jenseits der 21. Im kommenden Jahr werde ich 30 Jahre alt und natürlich fängt man dann wieder an, über sein Leben nachzudenken. Welche Entscheidung war gut, welche Entscheidung war schlecht und wie habe ich es trotzdem hierher geschafft? In diesem Off Topic möchte ich kurz mein Leben Revue passieren lassen.

Vor ein paar Wochen habe ich einen Song gehört, der mich an einen alten Revolverheld Song erinnerte. Ich habe auf Spotify geschaut, ob sie das Album haben. Für alle, die es interessiert, es handelt sich um „Unsterblich“ vom Album „Chaostheorie“ aus dem Jahr 2007. Ich mochte den Song und beim Hören kamen mir die Erinnerungen an die Zeit von damals in den Kopf. Die WM 2006, das Abitur 2007, meine erste Ausbildung. Mir ist aufgefallen, wie sich mein Leben in den vergangenen 10 Jahren verändert hat. Es waren gute und schlechte Wege dabei. Freundschaften, die ich damals als unentbehrlich empfand, sind schon lange Teil meiner eigenen Geschichte.

Und hör auf dich, selbst zu fragen:
Wer deine Freunde sind in zehn Jahren?
Denn das wirst du dann erfahren

„Unsterblich“ von Revolverheld, aus dem Album „Chaostheorie“ (2007)
Writer(s): Jakob Sinn, Johannes Strate, Niels Groetsch, Kristoffer Huenecke

Vielleicht habe ich deshalb vor einigen Jahren aufgehört bestimmten Dingen im Leben nachzuweinen. Es ist irgendwie ja doch nur ein Teil eines viel größeren Puzzels. Um es philosophisch auszudrücken: Die Bekanntschaften, die wir machen, begleiten uns immer eine begrenzte Zeit. Manche länger als andere. Einige Wege laufen parallel, entfernen sich und führen später wieder zusammen.

Jede Begegnung hat aber ihren Grund. Als ich darüber nachdachte – was man während der Fahrt mit dem Fahrrad sehr gut kann – fielen mir so viele Freundschaften, Bekanntschaften und Erlebnisse ein, die mich zu dem gemacht haben, wer ich heute bin. Nachfolgend werdet ihr sehen, was ich meine. Es sind bestimmte Entscheidungen, die einem zu etwas führen, was vielleicht als falscher Weg erscheint, am Ende jedoch richtig war.

Am Anfang stand die Geburt, die erste Entscheidung

1989. Es begann mit meiner Geburt. Okay vielleicht nicht ganz, aber möglicherweise ist es irgendwann mal wichtig. Meine Mutter lag im Kreissaal und sollte mich um ca. 21 Uhr bekommen. Die Geburt wurde eingeleitet und  … meine Mutter musste warten. Eine andere Frau sollte mit Notkaiserschnitt gebären. Ich kam also erst um 21:15 Uhr auf die Welt. Geduldig sein war also die erste Tugend, die ich gelernt habe.

Hätte meine Mutter mich damals mit vier Jahren (1993) nicht ins Geräteturnen gesteckt, hätte mich die Trainerin damals nicht gemobbt. Ich hätte dann aber nie das Bedürfnis gehabt, mit sechs Jahren (1995) lieber Leichtathletik zu machen. Wegen der Leichtathletik wurde ich 2001 erst Fan der No Angels, denn die liefen damals mit „Daylight in your Eyes“ im Radio (Video auf Youtube ansehen), als wir auf dem Weg zu einem Wettkampf waren. Eine damalige Freundin, die mit im Auto saß, hätte mir nicht erklärt, dass sie eine gecastete Band sind. Ohne diese Band, hätte ich mich nie für die Casting-Show „Popstars“ interessiert.

Schwere Entscheidungen eröffnen neue Wege

Ich hätte ohne Leichtathletik nie im Trainingslager 2003 Fan von Wir Sind Helden werden können, als der Radio-Wecker uns eines morgens mit „Müssen nur wollen“ geweckt hatte (Video auf Youtube ansehen). Es wäre so niemals die Leidenschaft zu deutscher Rockmusik entstanden.

Ohne Leichtathletik hätte ich ca. 2002 nie ein Angebot der Sportschule in Halle/Saale bekommen, die mein Wurf-Talent fördern wollte. Meine damals schwerste Entscheidung, denn ich lehnte nach vielen Gesprächen über das Für und Wider ab. Heute ist es eine der Schlüsselentscheidungen, die mich verfolgen, weil ich nie weiß, ob diese Entscheidung gut war, oder nicht. Meine Mum erzählt mir immer, dass sie froh war, denn wenige Wochen nach dem ich hätte auf der Sportschule anfangen sollen, wurden zwei Mädchen aus meinem potenziellen Schuljahr von der Straßenbahn in Halle erfasst und verunglückten tödlich. Eines dieser Mädchen hätte ich sein können.

Die Zeit ist unsterblich.
Der Moment gehört nur uns.
Es ist alles vergänglich.
Doch dieser Tag verbindet uns.

„Unsterblich“ von Revolverheld, aus dem Album „Chaostheorie“ (2007)
Writer(s): Jakob Sinn, Johannes Strate, Niels Groetsch, Kristoffer Huenecke

Mein damaliger Trainer wollte mich unbedingt behalten, obwohl in unserem Verein damals alles auf Langläufer ausgelegt war. Mein Wurf-Talent wurde so nie richtig gefördert, was mich 2005 dazu brachte, mit Leichtathletik aufzuhören. Es war, wie Bella aus Twilight sagen würde, ein harter Schnitt. Aber letztendlich bin ich auch froh drum, denn das eröffnete mir andere Türen. Ohne dreimal die Woche Training zu haben, hatte ich plötzlich Zeit mich um andere Dinge zu kümmern.

Während der Schulzeit habe ich das Lesen gehasst, weil unsere Deutschlehrerin ALLE Bücher vom Lehrplan mit uns durchgegangen ist. Ich habe es gehasst, vor allem diese alte Sprache. Den Todesstoß gab mir damals „Unterm Rad“ und „Effie Briest“.

Silbermond und irgendwas, dass bleibt

Ich hätte so vielleicht niemals Silbermond Fan werden können, als ich damals „Durch die Nacht“ (Video auf Youtube ansehen) das erste Mal gehört habe. Ich wäre 2005 nicht auf deren Konzert gewesen und wäre so nie zum Optimisten geworden, weil mich „Zeit für Optimisten“ (Video auf Youtube ansehen) mit den Live-Szenen aus der ersten Live-DVD so glücklich gemacht hatte. Meine damalige beste Freundin, wäre nie meine beste Freundin geworden, denn erst diese Leidenschaft für Silbermond verband uns. Zwar waren wir schon in meiner Wir Sind Helden Zeit sehr gut befreundet und hingen viel an der Elbe ab, aber Silbermond war das einzige richtige Glied, das unsere Freundschaft festigte. Wir hörten uns die erste Live-DVD 2005 in Dauerschleife an und verliebten uns in „Das Beste“, lange bevor es kommerziell erfolgreich wurde.

Es ist schwer, die Spur im Sand zu finden,
denn Staub und Sturm stehlen mir die Sicht.
Doch wie ein warmer Sommerregen
regnest du auf mein Leben.
Wie Heer aus Tropfen
auf den heißen Stein

„Unendlich“ von Silbermond, aus dem Album „Laut gedacht“ (2006)
Writer(s): Johannes Stolle, Thomas Stolle, Andreas Jan Nowak, Stefanie Kloss

Wegen dieser Fan-Phasen begann ich 2004 mit dem Austragen von Zeitungen, denn irgendwie mussten sich ja die ganzen Fanartikel, CDs, Konzerte etc finanzieren. Ich lernte den Wert von Geld kennen und wie schwer man teilweise dafür arbeiten muss. Das Album „Revolverheld“ von Revolverheld im Jahr 2005 war eine der CDs, die ich mir von meinem ersten erarbeiteten Geld geleistet habe. Ich war zu der Zeit ein ziemlicher Fan der 80er Musik, u.a. auch von Nena (meine Mutter ist ein riesiger Nena Fan gewesen), Cyndi Lauper. Ihre Lieder berühren mich auch heute noch.

Möglicherweise habe ich damals deswegen auf Nick die Sendung Bad Candy was here gesehen, die mich 2005 zur holländischen Band Bad Candy gebracht hat (Trailer auf Youtube ansehen). Der Titelsong dieser Sendung war eine Coverversion von „Girls just want to have fun“ von Cyndi Lauper. Die Liebe zu dieser Band führte mich erstmals – dank des Supports meiner Mutter –  quer durch Deutschland an verschiedene Orte.

Bad Candy und der Beginn von allem

Nach dem ich die Band Ende 2005 in Magdeburg zufällig auf einer Autogramm-Stunde traf, war es um mich geschehen. Ich verließ das Silbermond-Forum und konzentrierte mich auf das Bad Candy Fanforum. Dort lernte ich unter anderem zwei Mädels kennen, die in der Zeit zu sehr guten Freundinnen wurden. Eine sollte später noch einmal in mein Leben treten. Bad Candy war eine wirklich sehr wichtige Band in dieser Phase meines Lebens. Ich wollte für die Band niederländisch lernen und lernte zwei Niederländer kennen. Ein Junge und Mädel, die beide ein Jahr älter sind als ich.

Sie erzählte mir das erste Mal etwas davon, dass „a girlfriend“ hat. Damals war mein Englisch gut genug, um zu verstehen, dass es „feste Freundin“ heißt, aber es irritierte mich. Zunächst nahm ich an, dass sie einfach weibliche Freundin meinte, weil ich eine „feste Freundin“ für Frauen nicht kannte. Je öfter wir uns schrieben, desto deutlicher wurde, dass sie homosexuell ist. Sie ging damit völlig normal um, also war es für mich auch total normal.

Internetfreundschaften

Ihm schrieb ich damals auch sehr viel, er reiste der Band wirklich überall hinterher. Ich verliebte mich beim schreiben in ihn, doch als ich mir ein Herz fasste, um es ihm zu gestehen, gab er mir einen Korb. Allerdings war es echt nett, denn er versicherte mir, dass er nur Freundschaft möchte. Das war okay, auch wenn es mich einige Jahre beschäftigte (vor Kurzem fand ich ihn auf Facebook und freute mich, als er meine Anfrage annahm. Ernüchtert musste ich aber feststellen, dass er vergeben war und mittlerweile mit einem Mann verheiratet ist).

Dieses „Hinterherfahren“ für Bad Candy wäre aber auch nicht möglich gewesen, hätten sich meine Eltern 2005 nicht scheiden lassen. Meine Mutter entwickelte sich in der Zeit zu meiner besten Freundin, weil meine Schwester noch nicht in der Pubertät war und wir uns noch hassten. Wegen Bad Candy wurde ich 2005 Fan von The Veronicas (Video auf Youtube ansehen), da Bad Candy den Song „Worlds Apart“, von den Origliasso-Zwillingen eingesungen hatten (auf Youtube ansehen). Wegen Bad Candy kam ich Ende 2005 erstmals auf die Plattform „MySpace“, dem Facebook-Instagram-Snapchat von Mitte der 2000er.

Myspace und mein erster wichtiger Schritt in Richtung Zukunft

Das tolle an MySpace war, dass man sein Profil selbst gestalten konnte, wenn man nur etwas Ahnung von HTML und CSS gehabt hatte. Hatte ich nicht, aber ich wollte auch coole Profile haben, also begann ich mich mit HTML und CSS zu beschäftigen. Ende 2005 erstellte ich über eine Flash-Webseiten-Anbieter meine erste Homepage. Es war eine schrecklich gestaltete Fanseite für Bad Candy. Später führte mich der Drang, besser zu werden im Webseiten gestalten, zu anderen Baukasten-Seiten. Ich erstellte meinen ersten Blog auf einer kostenlosen Seite, der den Namen „Heffas Freakshow“ trug. Ich wurde in Sachen HTML und CSS nach und nach besser.

Als meine Schwester Tokio Hotel Fan wurde, begannen wir gemeinsam an Fanseiten zu arbeiten. Damals noch auf Baukasten-Websites. Sie war die erste, der ich mein Halbwissen über das Internet beibrachte. Irgendwann waren wir mitten in der Fanpage-Szene drin und man kannte sich untereinander, machte Werbung etc. Es war eine tolle Zeit. Es gab einen Anbieter, der kostenlosen Webspace zur Verfügung stellte, aber nur für grafisch besonders talentierte. Also war 2006 mein Ansporn: Webseiten-Programmierung und Gestaltung zu lernen. Hier lernte ich auch das erste Mal „WordPress“ kennen und lieben.

Entscheidung: Ausbildung

Nach meinem Abi 2007 begann ich eine Ausbildung, zur kurz gesagt, Mediengestalterin (der offizielle Begriff ist zu lang). Diese Ausbildung führte mich nach Bernburg/Saale und zu meiner ersten WG. Im Rahmen der Ausbildung wurde ein Wahlfach für Webprogrammierung angeboten. Leider war die Resonanz zu gering und der Kurs fand niemals statt. Eine Enttäuschung für mich. Ich entwickelte aber sehr schnell eine Leidenschaft für Fotografie, Gestaltung und Videos.

Ich hatte in der Wohnung in Bernburg keinen Computer. Heute unvorstellbar. Ich schrieb in der Zeit sehr viele Gedichte und Geschichten. Weil ich in der Zeit das erste Mal für mich allein sorgen musste und mir meinen Mutter nichts verbieten konnte, aß und trank ich, was ich wollte. Das Führte dazu, dass ich schnell an Gewicht zunahm und fortan regelmäßig abends einen zwei stündigen Spaziergang entlang der Saale zum Nachbarort machte (heute unvorstellbar, dass ich das allein mit gerade Mal 18 Jahren gelaufen bin, irgendwo zwischen Wald und Wiesen). Ab und an schnappte ich auch meine Inliner und drehte ein paar Stunden in einem Gewerbegebiet meine Runden. Ich wollte fit bleiben und wieder in Form kommen.

Doch was viel wichtiger war: ich hatte so viel Freizeit und Langeweile, dass ich neben der Hausaufgaben nach einem neuen Hobby gesucht habe. Zu der Zeit kam „Sakrileg“ ins Kino. Eine Mitazubine hatte die Romanvorlage, die sie mir auslieh. Ich mochte den Schreibstil von Dan Brown, also lieh ich mir noch ein weiteres Buch von ihm bei ihr aus: „Meteor“. Ich kaufte mir „Diabolus“ und entdeckte, ohne es zu merken das Lesen wieder für mich. Später kam „Twilight“ in die Kinos und es war ein Mega-Hype, den ich nicht verstanden habe. Ich schaute mir den Film an und dort gab es die „Baseball“-Szene. Die war schlussendlich dafür verantwortlich, dass ich mehr wissen wollte und begann die „Bis(s)“-Reihe zu suchten. Während meiner Ausbildung las ich so viele Bücher, ich weiß gar nicht mehr, wie viele.Selbst jene, die ich zur Schulzeit verabscheut habe. Denn ich durfte es freiwillig tun, ohne Zeitdruck.

Musik bewegt, emotional und physisch

Wegen meiner Affinität für deutsche Musik, danke an Wir Sind Helden und Silbermond, entdeckte ich irgendwann Debbie Rockt! mit „Ich rocke“ (Video auf Youtube ansehen). Eine neue Lieblingsband, nachdem sich Bad Candy getrennt hatte. Und hier traf ich im Fan-Forum damals auch eine alte Bekannte wieder, die ich nach der Bad Candy Zeit aus den Augen verlor. Zusammen gingen wir total in der Emo-Phase auf. Wegen Debbie Rockt! und dieser Freundin begann ich 2008 das erste Mal Vlogs aufzunehmen, ohne es zu wissen.

In dieser Zeit beschäftigte ich mich sehr viel mit Alternative und Hardcore Musik, weil das eine Bandmitglied, welche mein damaliger Liebling war, dies als Lieblingsmusikrichtung angegeben hatte. Das führte mich zu Eyes set to kill, der Emo-Hardcore-Pionier-Band der damaligen Zeit (Video auf Youtube ansehen). Und schnell entdeckte ich auch Anfang 2008 die Band Paramore. Diese Band ist bis heute, neben Silbermond, eine Band, die mich schlussendlich dorthin führte, wo ich nun bin.

2009, als die Popstars Staffel „Du und ich“ lief, geschah etwas Seltsames. Ein Mädchen stand vor der Jury mit einer Gitarre und sang ein Lied. Es war ein Paramore-Song. Ich verliebte mich sofort und war fortan bei jeder Entscheidung glücklich, als sie weiterkam. Es war: Elif. Im Fanforum lernte ich eine Menge Leute kennen, unter anderem Pablo (Spitzname).

Entscheidung: Studium

Mit Ende meiner Ausbildung 2009 hatte ich keine Arbeit, weil ich nicht aus der Heimat weg wollte und meine Ausbildung meistens nicht ausreichte. Ich beschloss zu studieren. Studieren war etwas, was ich niemals tun wollte. Aber mir blieb nichts anderes übrig. Ich freundete mich mit dem Gedanken an, wegzuziehen. Natürlich wollte ich dann Kommunikationsdesign studieren, was naheliegend war. Es gab zwei Orte, die mich zu einer Bewerbungswoche einluden. Eine der beiden Städte war Wiesbaden. In der Jugendherberge gab es keine Einzelzimmer mehr und so buchte ich ein 4-Bett-Zimmer. Die beste Entscheidung meines Lebens.

In dieser einen Woche im Juni 2010 geschah etwas merkwürdiges. Wegen der Leute, die ich dort im 4er Zimmer traf, hatte ich eine wunderbare Zeit in Wiesbaden. Die Zugfahrt nach Wiesbaden über Frankfurt, fühlte sich an, als würde ich diese Strecke öfters fahren. Ich fühlte schon vor meiner Ankunft, dass es mein neues Zuhause sein würde. Ich bewarb mich in Wiesbaden bei zwei anderen Studiengängen u.a. Medieninformatik, wo ich letztlich angenommen wurde. Auf dem Studienplan stand unter anderem: Web-Programmierung. Die Zusage kam an genau dem Tag, als ich die Einschreibung für eine andere Hochschule abschicken wollte. Ich wollte unbedingt nach Wiesbaden und da hielt ich auf einem DIN A4 Blatt plötzlich meine ganze Zukunft in den Händen.

Die zwei Jahre in dem Studentenwohnheim haben mich vieles gelehrt, genau wie die WG danach dazu führte, warum ich nie wieder eine WG haben wollte. Das Studium selbst bot mir sehr viele Möglichkeiten. Vor allem aber war es die Zeit, in der ich begann mein Leben allein zu formen. Ich wandelte meine Webseite „Secrets of Rock“, die ich Anfang 2010 noch als Fanseite für verschiedene Rockbands nutzen wollte, in einen persönlichen Blog um. Auf diesem Blog begann ich erstmals über mein Leben zu bloggen. Ursprünglich war er für Familie und Freunde gedacht, die ich damit über mein Leben als Studentin auf dem Laufenden halten wollte.

2012, als die Welt untergehen sollte

Das Jahr in dem die Welt untergehen sollte (Video auf Youtube ansehen), war mein Start ins Leben. Aus heiterem Himmel begann Pablo aus dem Elif Forum für seinen Blog zu werben. Er hatte einen Blog über Bücher gestartet. Als ich 2010 nach Wiesbaden zog, hatte ich ganze fünf Bücher dabei. vier davon waren von der „House of Night“ Reihe. Immer, wenn ich eines ausgelesen hatte, kaufte ich ein neues Buch. So füllte sich mein Buch recht schnell. Als ich dann sah, dass Pablo über Bücher gebloggt hat, wollte ich das auch und verwandelte meinen privaten Blog in einen Buchblog. So entstand dieser Blog hier.

Im Käsekuchenland lernte ich eine Menge verrückter Menschen kennen, die heute zur Bezzten Gäng der Welt zählen. Unter ihnen war auch eine, die 2014 nach Mainz zog. Ich half ihr beim Umzug, obwohl wir uns erst kurz über das Internet kannten. In ihrer damaligen WG zog später eine junge Frau ein, die Football spielte. Ich fand es interessant, aber machte mir wenig Gedanken drum.

Im Dezember 2014 fragte mich die Blogger-Freundin dann aus heiterem Himmel, ob ich nicht mitkommen möchte, zum Football Training. Das witzige an der Geschichte war, dass ich exakt am gleichen Tag drüber nachgedacht hatte, einem Sportverein in Wiesbaden beizutreten. Als ich gerade die Trainingszeiten des Volleyball-Teams anschaute (ich spielte seit 2011 Hochschul-Volleyball), kam die Whats App Nachricht. An jedem anderen Tag hätte ich vielleicht nein gesagt, doch an dem Tag sagte ich: Ja. Obwohl sie mit ihrer Mitbewohnerin noch versuchten mir Angst zu nehmen, hatte ich schon lange den Entschluss gefasst: ich würde ab Januar 2015 in Mainz Football spielen.

Ein Schicksalsschlag

Im Juli 2015 verstarb mein Opa plötzlich, während meiner Prüfungsphase. Er begleitete mich beim Umzug nach Wiesbaden. Der Gedanke, dass ich durch meine Lazyness mein Studium unendlich in die Länge gezogen hatte – sodass er nie meinen Abschluss miterleben würde – zerriss mich. Ich kniete mich fortan richtig rein und wollte mein Studium endlich zu Ende bringen.

Als ich im März 2016 meine Bachelor-Arbeit abgegeben hatte, konnte ich zwei Wochen später direkt meinen ersten richtigen Job antreten: als Junior Software Developer. Wegen persönlicher Differenzen wechselte ich noch während der Probezeit das Unternehmen. Mein neuer Arbeitgeber führte mich nach Mainz. Endlich durfte ich Webseiten programmieren, genau das, weswegen ich die ganzen Strapazen der letzten 6 Jahre auf mich nahm. Zudem betreibe ich endlich wieder regelmäßig Sport und habe so meine persönliche Zufriedenheit gefunden.

Die Zeit des Studiums lässt sich am allerbesten durch einen Song beschreiben: „Euphoria“ von Loreen. Noch heute einer meiner absoluten Lieblingssongs (Video auf Youtube anschauen).

Eine kleine Entscheidung verändert alles

Heute sitze ich hier, tippe diese letzten Worte des Beitrages und frage mich, welche Auswirkung dies wohl auf meine Zukunft haben wird. Die Entscheidung diesen Beitrag zu verfassen, den ich schon seit Jahren schreiben wollte, wird sich irgendwo abbilden lassen. Ich übergebe kurz das Wort an den Optimisten in mir: auch die schlimmste Erfahrung im Leben, kann die Motivation sein, etwas in eine positive Richtung zu wenden (insofern man selbst Einfluss darauf ausüben kann).

Manchmal, wenn es mir schlecht geht, denke ich immer daran, dass nach einem Tief immer wieder ein Hoch kommt, denn das Leben ist eine stetige Sinus-Kurve. Vielleicht ist sie auch eine Cosinus-Kurve. Wer weiß das schon. Aber es geht immer auf und ab.

— Heffa Fuzzel 28. Juli 2018

Welche Entscheidung jetzt nun genau Auswirkung darauf hatte, dass alles so lief, wie es lief, weiß ich nicht. Denn, wie ihr gelesen habt, waren es kleine Entscheidungen, die manchmal größere Steine ins Rollen brachten. Natürlich. Das ist keine neue Erkenntnis und irgendwie wird sich jeder in einer dieser Zeilen wiederfinden. Aber ich hatte diese Gedanken und ich wollte sie aufschreiben, wozu sonst dieser Blog.

Ach ja, natürlich ist die Geburt wichtig, denn sonst, würde es diesen Artikel gar nicht erst geben. Also Danke an Mama und Papa, die damals Geschlechtsverkehr hatten. Vermutlich auf irgendeinem knirschendem Bett.